Titel: Bild und Seele · S. 244
Titel: Bild und Seele , 1989

Annelise Zwez

Geborgen in der Künstlichkeit der Kunst

ÜBER ERICH WASSMER ALIAS RICCO

Ricco – der Name war bis vor einem Jahr auch in der Schweiz, der Heimat des Künstlers, nur wenigen Kunstliebhabern bekannt. Nach dem Tod des Malers im Jahre 1972 wurde sein Werk schnell vergessen. Es paßte nicht in die Zeit. Im Mai 1988 hat das Aargauer Kunsthaus Aarau (Konservator: Beat Wimer) das psychisch wie intellektuell vielschichtige, formal dem magischen Realismus verwandte Werk des Industriellensohnes Erich Wassmer (1915-1972) neu und in bisher nie erreichtem Zusammenhang präsentiert.

Als Grund für das schnelle Vergessen eines Werks, das 1969 immerhin in der damals von Harald Szeemann geleiteten Berner Kunsthalle gezeigt wurde, nennt der 1988 erschienene, reiche Buchkatolog die verchwindend kleine Präsenz von Bildern Riccos in öffentlichen Sammlungen. Riccos Werke befinden sich zu einem großen Teil im Besitz der weitverzweigten Familie des Künstlers, welche die Bilder oft direkt ab Atelier kaufte. Man kann dies als schützendes oder tragendes Sippenverhalten definieren; es äußert sich darin aber sicherlich auch Angst vor allzu viel öffentlicher Diskussion um das „schwarze Schaf“ der Familie. Erich Wassmer, bis zu seinem Tod Familienaktionär der Portland-Cement-Werke AG, war in seinem Verhalten und seinem Empfinden ein Außenseiter. Prägend für sein Werk war die auf Schloß Bremgarten bei Bern verlebte „paradiesische“ Jugendzeit. Musiker, Maler und Schriftsteller gingen im Elternhaus ein und aus. „Dicht war der magische Kreis um uns geschlossen. Von den Schloßherren Max und Tilli empfangen, hörten wir Othmar im hohen Saale auf dem Flügel spielen, fanden den Park von Papageien und anderen sprechenden Tieren…

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