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Documenta Fifteen: Diskussion · von Heinz Schütz · S. 184 - 189
Documenta Fifteen: Diskussion ,

documenta fifteen – ein Politikum: Was bleibt?

von Heinz Schütz

Unter dem Titel „Was von 100 Tagen übrig blieb …“ befasst sich das Münchner Lenbachhaus gegenwärtig in einer Ausstellung als Museum mit der documenta. Was aus der Museumsperspektive übrig blieb, sind Bilder, Videos und Installationen, die zuvor auf einer documenta zu sehen waren und dann angekauft und in die Sammlung überführt wurden. Hinzu kommt der von der documenta ausgehende programmatische Einfluss. Er zeigt sich etwa dann, wenn das Lenbachhaus auf die von Okwui Enwezor kuratierte documenta 11 rekurriert und sich für die „Kunstproduktion aus anderen Ländern“ öffnet. Deutlich wird hier die kanonisierende Kraft der documenta. Sie verstärkt richtunggebende Tendenzen des Kunstdiskurses, sie fördert die Aufwertung der präsentierten Kunst und den Prestigegewinn der beteiligten Künstler*innen, was sich nicht nur in der öffentlichen Aufmerksamkeit, sondern auch am Kunstmarkt bezahlt macht.

Im Schnelldurchgang von der ersten bis zur vierzehnten documenta werden Entwicklungslinien deutlich, die sich in der inzwischen zu Ende gegangenen documenta fifteen fortsetzten. Zielte die erste documenta noch darauf, die im Nazi-Deutschland unterdrückte Moderne sichtbar zu machen, erklärte die zweite die abstrakte Kunst zum Maßstab. Die aktuellen Kunsttendenzen aufgreifend wird dann im Sinne der „Expansion der Kunst“ zunehmend der Rahmen der klassischen Kunstgattungen gesprengt. Gleichzeitig erfolgt die Ausdehnung des Blickfeldes von Europa und den USA über Afrika bis hin zum „globalen Süden“ in der documenta fifteen. Immer schon wurde die documenta von Kritik begleitet, wobei die auf einem anderen, meist traditionellen oder auch theoriefeindlichen Kunstverständnis basierenden Einwände dominierten. Die radikale Infragestellung der Institution documenta aus…

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