Gespräche mit Künstlern · von Oliver Zybok · S. 236
Gespräche mit Künstlern ,

Doris Salcedo

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Ein Gespräch mit Oliver Zybok

Die 1958 in Bogotá geborene, international renommierte Künstlerin Doris Salcedo beschäftigt sich in Objekten, Skulpturen und großen ortsspezifischen Installationen mit den Auswirkungen von Gewalt und Ausgrenzung in ihrer Heimat Kolumbien und anderen Regionen der Welt. Nach Ausstellungen in der Tate Modern (London 2007) und im Guggenheim Museum (New York 2015) sowie nach der Teilnahme an zahlreichen Gruppenpräsentationen wie 2002 an der documenta 11, erhielt Doris Salcedo 2019 den von einer internationalen Jury vergebenen 1. Possehl-Preis Internationale Kunst in Lübeck, verbunden mit einer dortigen Schau in der Kunsthalle St. Annen, ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland überhaupt. Jüngst erhielt sie in Shanghai den höchstdotierten Kunstpreis der Welt, den erstmals vergebenen Nomura-Kunstpreis. Doris Salcedo findet poetische Bilder für politische Herrschaftssysteme, Rassismus und systematische Ungleichbehandlungen. Ihr Werk ist von höchster Relevanz für die Gegenwart.

Oliver Zybok: Verfolgst Du eine Art Gesamtkonzept für Deine künstlerische Arbeit, etwa wie Joseph Beuys mit seiner Idee der Sozialen Plastik?

Doris Salcedo: In meinen Anfängen habe ich Beuys bewundert, und ich wusste, dass ich in eine ähnliche Richtung gehen möchte. Ich wollte Arbeiten produzieren, die eine politische Aussagekraft entfalten. Zudem entschloss ich mich eine Künstlerin in Kolumbien zu sein, hier zu leben. Ich wollte in die komplexe Realität dieses Landes eintauchen. Wenn die Lebensbedingungen so extrem sind wie hier, kannst du die Verhältnisse nicht aus der Ferne beobachten, Du musst sie erleben, Du musst Teil dieser Geschichte werden. Und wenn man sich entscheidet, mit den historisch bedingten Gewaltdelikten…

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