Essay · von Roland Schappert · S. 198
Essay ,

Kunst demokratisiert Kunst

von Roland Schappert

Reden über Kunst lässt schnell Meinungen erkennen, reden über Fußball noch schneller. In letzter Zeit werden Exklusivität und vermeintliche Expertenkultur der Kunstdebatten sowie des Galerie-, Auk-tions- und Ausstellungswesens immer wieder angegriffen, was zwar prinzipiell nichts Neues ist, durch die Verbreitung in den sozialen Medien und im Internet jedoch eine neue Breitenwirkung erfährt. Was könnte alles passieren, wenn man Kunst von allen Ansprüchen befreit? Würden sich Künstler*innen und Kurator*innen selbstlos, frei und direkt dem aufgeschlossenen Publikumsgeschmack und den Stimmen der Betrachter*innen zuwenden? Könnte Kunst die Kunstwelt demokratisieren?

Natürlich gab und gibt es gar nicht „die Kunst“ und „den Publikumsgeschmack“. Alles ist diversifiziert, alles erscheint spätestens seit der Postmoderne pluralistisch. Diesmal soll unsere Kunstwelt allerdings nachhaltig und kränkungsresistent vor allen marginalisierten Gesellschafts- und Chat-Gruppen bestehen können. Aufregungskulturen, „Cancel Culture“, Hysterisierung der öffentlichen Diskurse und arrogante Exklusivität auf privaten Preview-Veranstaltungen: NEIN DANKE!

Klingt gut. Aber würde dann endlich alles gut mit der Kunst und ihren Akteuren? Was geschähe mit den Dingen, die man zuerst nicht versteht? „Mehr Menschen denn je wollen heute wissen, was sich hinter dem schönen Schein der Kunst, hinter den dicken Mauern der Museen verbirgt: Wer hat die Macht? Woher kommt das Geld? Sie verlangen demokratische Mitsprache. (…) Erst heute, in Zeiten der cancel culture, sinkt die Bereitschaft vieler Ausstellungshäuser, sich gegen das demokratische Verlangen nach Einspruch zu wehren.“1 Hanno Rauterberg äußerte diese Sätze in seinem Text Der Teufels kreis demokratischer Kunst (DIE ZEIT, Nr. 47 / 2019). Man darf hierbei konsequent über Rauterbergs Thesen hinausgehend folgern: „Die…

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