Ausstellungen: Frankfurt a.M. · S. 350
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1990

Sigrid Feeser

ex und hopp – Das Prinzip Wegwerf

»Eine Bilanz mit Verlusten«

Deutscher Werkbund, 15.9.-21.12.1989

Wären Preise für sinnvolle Ausstellungsinszenierungen zu vergeben, der Darmstädter Architekt Ot Hoffmann und der Deutsche Werkbund hätten längst einen bekommen. Während rund um die Frankfurter City Museen und Hochhäuser wie Pilze aus dem sündigen Pflaster sprießen, werden im weitläufigen Ausstellungslokal zwischen Weißadlergasse und Kleinem Hirschgraben die Folgekosten nachgerechnet. Hoffmanns Bilanz in Sachen Wegwerf-Gesellschaft ist zwar akribisch genau, entbehrt indessen nicht des visuellen Reizes. Zum Beispiel alle diese bunten, prallgefüllten Plastiktüten, die sich dick und augenfängerisch bis unter die Decke stapeln: Kunst- oder Horrorstück? Auch ein kleines Kompendium über die Möglichkeiten, aus ordinären Kartoffeln „veredelte“ Produkte herzustellen (satte 50), ist zu sehen. Ein säuberlicher kleiner Windelstapel tritt in heillose Konkurrenz zu einer wahrhaft gigantischen „Pampers“-Akkumulation. Des Deutschen Frühstückstisch: eine Orgie in Sachen Abfall, aber: „Uns schmeckts immer.“ Im Spiegelkabinett kann man zusehen, wie Peter Schirmbecks „Moloch Konsum“ sich, übrigens jugendfrei, pausenlos selbst befriedigt. Ganz nebenbei wird dem geneigten Besucher das Geheimnis der Geschenkpackung entschleiert. Richtig – es gibt keines. Für Einbauküchen ist diese Saison taubenblau angesagt. Und alle Objekte sind von stummer, dennoch nachdrücklicher Präsenz, laden trotz ihrer marktschreierischen Buntheit eher zur Nachdenklichkeit als zum kurzweiligen „Aha!“. Gerne streunt man in der labyrinthisch angelegten Schau herum, der im Anabas-Verlag herausgekommene Katalog liefert die theoretischen Fußnoten nach, gibt Argumente für weiterführende Diskussionen. Kein säuerlicher grüner Zeigefinger, statt dessen 144 pralle Seiten Information vom Problem des Wurtspellens über die ökologische Steuerreform bis zur Datenmüllhalde. Eine Schrifttafel zitiert Luigi Einaudi mit einem…

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