Ausstellungen: Düsseldorf · von Heinz-Norbert Jocks · S. 260
Ausstellungen: Düsseldorf , 2004

HEINZ-NORBERT JOCKS

Gerhard Altenbourg

„Im Fluß der Zeit“

K20 Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, 13.12.2003 – 7.3.2004

Gerhard Altenbourg, nun ist er vielleicht mit seinem organisch gewachsenen Werk endlich so präsent und hoffentlich bei uns so angekommen, wie er es eigentlich verdient hat. Zwar hatte er sich als Holzschneider, Lithograf, Maler, Metallbildhauer, Radierer und Zeichner, der sich wiederholt selbst porträtierte, durchaus einen Namen gemacht. Übrigens war dieser nicht sein eigentlicher. Ursprünglich Ströch heißend, französierte er nämlich den seiner sächsisch-thüringischen Stadt, um diesen für sich anzunehmen. Doch dieser drang nur bis ins Ohr einer kleinen Schar von hellhörigen Enthusiasten, darunter Eberhard Roters, Erhart Kästner sowie die Galeristen Rudolf Springer und Dieter Brusberg, die für seine nachhaltig vom Krieg geprägten, an Dichte teils überquellenden, teils recht schwierigen Bilder ein offenes Auge hatten.

Dass ihm zu Lebzeiten nicht mehr Anerkennung zuteil wurde, hat erstens wohl damit zu tun, dass der um die Jahreswende 1989/1990 auf der Fahrt von Altenburg nach Dresden tödlich Verunglückte aus Thüringen, also aus der DDR stammte. Mit seiner Herkunft hatte er sicherlich von vornherein die schlechteren Erfolgskarten gezogen, wenn es darum ging, im Kunstbetrieb des freien Westens gut Fuß zu fassen. Zweitens passt, was er hinterließ, in kein handliches wie handelbares Schema, obschon man damit schnell bei der Hand war, indem man flugs aus Hilflosigkeit in sich unstimmige Bezüge zum Nachkriegsinformel zu konstruieren versuchte. Er bediente eben nicht den die Figuration lange Zeit übertönenden, alles andere verdammenden Geist der Abstraktion. Zudem zeugt seine Kunst von einer leicht überhörbaren Stille, einer ungewohnten Bedächtigkeit und Zurückgezogenheit, die Sehverstärker…

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von Heinz-Norbert Jocks

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