Titel: Essen und Trinken , 2002

Hommage à Karl Marx

Jürgen Raap über die Spoerri-Projekte an den Kölner Werkschulen 1977-1982

Zum Wintersemester 1977/78 übernahm Daniel Spoerri eine Professur an den Kölner Werkschulen. Seine Fachklasse war im Vorlesungsverzeichnis mit der Vokabel „Multimedia“ ausgewiesen, und darunter verstand man seinerzeit etwas anderes als heute, nämlich dreidimensionale Raum- und Projektinszenierungen jenseits der Bildhauerei. Das lokale Kunstpublikum erinnerte sich noch gut an Spoerris legendäre Ausstellung einige Jahre zuvor in der Galerie Rudolf Zwirner: Sie dauerte nur solange, wie man braucht, um ein Ei zu kochen, nämlich vier Minuten. Dann trugen die Mitarbeiter der Spedition die Exponate wieder hinaus, aber Galerist Zwirner hatte in diesen vier Minuten immerhin sechs Arbeiten verkauft.

Erstaunlicherweise hatte es seit der Spoerri-Ausstellung 1971 im Stedelijk-Museum Amsterdam dreißig Jahre lang keine Präsentation mehr gegeben, die sich explizit auf die Eat-Art-Objekte konzentrierte. Die Arbeiten von Luginbühl (Schokoladenskulptur), Arman (Kiste mit Marzipanbeinchen), Beuys (Fischgräten-Objekt) und Dieter Roth (Gewürzfenster) und anderen Künstlern, die um 1970/71 entstanden waren und die Spoerri in seiner Düsseldorfer Eat Art-Galerie gezeigt hatte, waren erst wieder im Herbst 2001 in der Münchener Ausstellung „Daniel Spoerri presents Eat Art“ zu sehen, die Elisabeth Hartung-Hall kuratierte.

Berühmte Namen

Als Spoerri sich 1977 beim Antritt seiner Professur in Köln dem Dekan vorstellte, stutzte er über dessen Namen und schaute später im Kölner Telefonbuch nach: Tatsächlich, der Werkschuldirektor ist ein Namensvetter des Philosophen und heißt wirklich Karl Marx. Spaßeshalber sah Spoerri noch unter anderen berühmten Namen nach: In Köln lebt ein Konrad Adenauer als Notar; er ist ein leiblicher Enkel des Altbundeskanzlers. Der damalige Intendant des…

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