Ausstellungen: Berlin , 2002

ROLAND SCHAPPERT

Bill Viola: „Going Forth By Day“

Deutsche Guggenheim Berlin, 5.2. – 5.5.2002

Bill Viola glaubt ungebrochen an die Macht seiner Bilder. Das ist aber noch nicht alles. Nichts Geringeres als einen „Führer für die Seele“ schuf der 1951 in New York geborene Pionier der Medienkunst mit digitalen Videotricks und unter dem Eindruck alter Freskomalerei im Auftrag der Deutschen Guggenheim Berlin. Der Titel „Going Forth By Day“ spielt auf ein altes Totenbuch der Ägypter an, das davon handelt, wie sich die Seele aus dem Dunkel des Körpers befreit und ins Jenseits einzieht. Mit dieser Referenz und den Folgen seiner Analogien spaltet Viola sein Publikum. Für die Einen steigert der Künstler nur das opernhafte Pathos seiner raumgreifenden Installationskunst bis an die Grenze des Erträglichen. Für die Anderen schuf Viola ein komplexes, anspielungsreiches Bildprogramm mit fünf Projektionen. Der Künstler selbst wollte eigentlich „nur“ den Kreislauf des Lebens und Sterbens beschreiben. Und dann findet er doch einen unerwarteten Höhepunkt in seiner digitalen High-Definition-Auferstehungsszene.

Viola bastelt schon seit langem an einem Themen-Parcours aus Versatzstücken der Weltreligionen, Mystik und der klassischen Kunstgeschichte. Seit seinem zweijährigen Aufenthalt in Florenz, Mitte der 70er-Jahre, bewundert er die Kunst Giottos und der Renaissance. Die von ihm 1995 auf der Biennale von Venedig inszenierte Begegnung von Maria und Elisabeth in „The Greeting“ verdankt er Jacopo Pontormo, dessen Arbeit er aufgriff, als Videoloop in die Länge zog und damit neu interpretierte. Zuvor gestaltete Viola 1992 mit seinem „Nantes Triptychon“ seinen ersten modernen Flügelaltar: Szenen einer gebärenden und einer sterbenden Frau, gruppiert um Unterwasser-Aufnahmen einer…

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von Roland Schappert

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