Titel: Berlin Biennale , 2004

HUB ,URBANE KONDITIONEN‘

GESPRÄCH MIT JESKO FEZER UND AXEL JOHN WIEDER

Thomas Wulffen: Im Gegensatz zu den anderen Hubs ist euer Hub dreigeteilt: statistisches Material, Pressematerial und Videointerviews. War diese Dreiteilung von vornherein geplant oder ergab sie sich aus der Arbeit am Hub?

Wir haben versucht mit der Arbeit an drei verschiedenen Repräsentationsformen in unserem Hub unterschiedliche Perspektiven auf die sozialräumliche Veränderung im Berlin der letzten 15 Jahre zu werfen. In 15 (von Martin Ebner editierten) Videointerviews zu unterschiedlichen Fragestellungen wie Armut, Sicherheit, Architekturinszenierung, alternative Lebensmodelle, Migration, Hauptstadtpolitik, Segregation oder Gentrifizierung haben wir Berliner StadttheoretikerInnen und andere ProduzentInnen kritischer Analysemodelle befragt und versucht subjektiv theoretische Lesarten zu sammeln. Die in den Vitrinen (gemeinsam mit Astrid Proll) arrangierte Auswahl von Berlin-Specials internationaler Zeitschriften möchte eine Geschichte medialer Bildpolitik zu Berlin nachzeichnen. Wir wollten hier das Layout von Imagedebatten über Architektur, des Einsatzes der Geschichte, die subkulturellen Geschichtsschreibungen oder Mode- und Loftmythen im Rückblick zusammenstellen. Als dritte Ebene der Repräsentation von stadtpolitischer „Wirklichkeit“ wählten wir die Auseinandersetzung mit Daten zum sozialräumlichen Umbau Berlins. In Zusammenarbeit mit dem statistischen Landesamt und in eigenen Recherchen haben wir neben die klassischeren Daten wie Bevölkerungsverteilung nach sozialen Kriterien und Bautätigkeit spezifischere Informationen gestellt. Demonstrationsverläufe, die Lokalisierung von diskriminierenden Diskursen, die räumliche Entwicklung der Kunstszene und von illegalen Clubs oder der Einsatz von Videoüberwachung veranschaulichen konkret die gesellschaftlich-geographischen Verschiebungen seit 1989. Mit diesen drei Ebenen der Beschreibung, die sich in der Recherche immer wieder überschnitten, versuchen wir über unterschiedliche Repräsentationsformen eine komprimiert nachholende Kapitalisierung des Stadtraum Berlins zu erfassen. Die…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang


von Thomas Wulffen

Weitere Artikel dieses Autors