Ausstellungen: Köln , 2008

Jürgen Raap

Jan Stieding

„Das Leben der anderen“

Galerie Sebastian Brandl, 14.6-1.6.2008

Mit dem oscarprämierten Kinofilm „Das Leben der Anderen“ (2006) habe der Ausstellungstitel nichts zu tun, erklärt der Künstler Jan Stieding. Seine biografischen Wurzeln liegen zwar in der DDR, und die frühere ostdeutsche Umwelt bescherte ihm in seinen bisherigen Werkphasen auch einen reichhaltigen Motivfundus, aber der Titel bezöge sich doch eher darauf, dass er in seinen jüngsten Bildern das Dasein von Mitmenschen reflektiere, die „anders“ seien und „anders“ lebten. Das seien u.a. die Protagonisten der Alternativkultur.

Individualität und Ent-Individualisierung ist also das Thema. Ein Heldenfriedhof z.B. ist ein Ort, an dem sich jegliche Individualität verliert. Normierte Grabsteine sind hier exakt aneinandergereiht, alle in gleicher Größe und in gleichem Abstand, und selbst die Inschrift ist schablonenhaft, weicht nur in Nuancen ab. Eine trauernde Witwe hat sich vor einem dieser Grabsteine auf den Boden geworfen, im wahrsten Sinne des Wortes überwältigt vom emotionalen Schmerz des Verlustes. Die persönliche Befindlichkeit mit extremem Leid steht in Kontrast zu der Pompösität der Friedhofsanlage, die in ihrer Uniformität etwas Kaltes und Anonymes ausstrahlt.

Das „Andere“ ist bei Jan Stieding also immer das Menschliche, und dieses ist als Maß aller Dinge anzunehmen, nicht etwa das Offizielle mit seiner feierlich inszenierten Erhabenheit und seiner erstarrten Konventionalität. Die „Anderen“, das sind jene, die leicht als Sonderlinge abgetan werden, wenn sie sich den Gruppenzwängen einer formierten Gesellschaft entziehen. In Zeiten eines internationalen Fußballturniers wie soeben zur EM kann man sehr gut beobachten, wie Massenrituale funktionieren (und wie sie in autoritär organisierten Gesellschaften missbraucht werden können).

Jan…

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