Ausstellungen: Köln · von Renate Puvogel · S. 318
Ausstellungen: Köln , 2003

RENATE PUVOGEL

Jochem Hendricks

„Figurine (sans bras avec police)“

Galerie Thomas Rehbein, Köln, 23.1. – 15.3.2003

Mit drei kleineren Objekten im Eingangsbereich, einer weiteren Skulptur im angrenzenden Raum ist die Ausstellung von Jochem Hendricks wahrlich sparsam bestückt. Angesichts des engagierten Programms der Galerie überrascht obendrein zunächst die eher konventionelle Art der Präsentation, die daher rührt, dass das Ausstellungsgut konservatorisch bestens bewahrt auf Sockeln unter Plexiglashauben ruht. Überraschend aber dann, wie einen die Objekte, nämlich ein mit Sandkörnern gut halb gefülltes Glas, 3 genormte Goldbarren („Tax 2000“), und die Nachbildung eines Gehirns aus Kunststoff anrühren, quasi ‚vom Sockel reißen‘. Sie tragen exemplarische Bedeutung, wenngleich sie auf je eigene Weise entweder als Neuauflage von Ready mades oder andererseits als Produkt der Wissenschaft anzusehen sind, und zumal sich der Künstler bei der Bronzefigur im Nebenraum auch noch bei Alberto Giacometti bedient hat. Doch derlei Irritationen auszulösen, gehört bereits zur Strategie des Frankfurter Künstlers Jochem Hendricks (geb. 1959); denn ihm ist daran gelegen, auf möglichst breiter Basis Sehgewohnheiten zu benennen und zu durchkreuzen, Erscheinungen nach ihren Voraussetzungen zu befragen, dem Wechselspiel von Agieren und Reagieren nachzugehen, Mechanismen und Freiräume von Denken und Empfinden aufzuspüren und vielleicht ablenkend zu korrigieren und sich auch in das Feld der Kunsttheorie einzumischen, kurzum: sowohl für selbstverständlich akzeptierte Normen und Regularien des täglichen Lebens als auch eingetretene Pfade innerhalb des Kunstbetriebs ins Bewusstsein zu heben und zu hinterfragen.

Man kennt derlei Bemühungen und Prophetien; sie kommen vielfach großspurig und messianisch daher. Schließlich gehört es zum künstlerischen Auftrag, sich gegen Konventionen aufzulehnen, alternative Wege zu…

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