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Titel: UTOPIA · von Jonas Staal · S. 186 - 193
Titel: UTOPIA ,

Jonas Staal

Zwischen den Welten

1. Occupy Utopia

Wenn herrschende Eliten den Tropus des Utopismus gegen ihre Gegner – gegen uns – einsetzen, heißt das im Wesentlichen, dass sie ihre eigenen Interessen am Rassenkapitalismus bedroht sehen, und in diesem Licht bedeutet der Begriff das, was [die Politikwissenschaftlerin] Jodi Dean als „kollektiven Wunsch nach Kollektivität“ bezeichnete. Ein Wunsch, der Forderungen nach einer grundlegenden Umverteilung von Macht und Reichtum verkörpert und als solcher unweigerlich darauf abzielt, das Nullsummenspiel des Rassenkapitalismus zu demontieren.

Als die Kuratorin Lara Staal und ich den Kongress der Utopie (2016) im Frascati Theater in Amsterdam, anlässlich des 500-jährigen Jubiläums von Thomas Morus‘ Utopia (1516) organisierten, taten wir dies mit dem Slogan „Occupy Utopia!“ Dieser Slogan bedeutete sowohl die Anerkennung der Herkunft des Begriffs als auch einen Bruch mit seiner vermeintlichen Bedeutung als „kein Ort“. Utopie zu besetzen heißt, fantasievolle Potenziale zu bewaffnen, welche die herrschenden Eliten als utopisch zu diskreditieren versuchen, nicht, um dieses Potenzial in eine unerreichbare Zukunft auszulagern, sondern um es zu einer treibenden Kraft im Hier und Jetzt zu machen, um die materiellen Bedingungen unserer Realitäten zu verändern.

Im Kongress der Utopie haben wir Teile des spekulativen Projekts New Babylon (1959 – 74) des Künstlers Constant Nieuwenhuys konstruiert; die Vision einer auf Säulen gebauten, vernetzten Stadt, in der Privateigentum durch die Sozialisierung der Technologie abgeschafft würde und die die Menschen als neue „Homo-Ludens“ durchstreifen würden, als die „Menschen spielend“, die ihr Leben der kulturellen und intellektuellen Entwicklung und Emanzipation widmen. Das Publikum und die eingeladenen Referenten aus Politik, Aktivismus, Wissenschaft,…

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