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Monografien / Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 194 - 213
Monografien / Gespräche mit Künstlern ,

Robert Wilson

Die Lehre des Taubstummen
Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Heinz-Norbert Jocks: Was unterscheidet die Medien, mit denen Sie arbeiten, voneinander?

Robert Wilson: Ich sehe alles als Teil eines Ganzen. Mein primäres Interesse gilt dem Theater, weil es alles umfasst: Architektur, Tanz, Musik, Licht, Malerei und Poesie.

Ich wüsste gerne mehr über die Andersartigkeit der Medien und denke dabei an Ihre bei Thadeusz Ropac Anfang letzten Jahres gezeigten Zeichnungen mit Bezug zu Ihrer „Messias“-Inszenierung.

Sie sind auf die Inszenierung bezogen, aber keine Illustrationen. Das Licht auf der Bühne ist ein völlig anderes als das mit Kohle auf Papier gezauberte. Die Medien unterscheiden sich. Der Schriftsteller Lincoln Kirsten, der 1996 in New York starb, sagte einmal: „Der moderne Tanz wird keine Tradition haben“. Heißt, in fünfzig Jahren wird keiner mehr wissen, was ich mit „Einstein on the Beach“ gemacht habe. Jedoch haben ein für die Inszenierung entworfener Stuhl oder die Zeichnungen, die für sich stehen, die Möglichkeit, zu bleiben.

Der Goldene Löwe, den Sie auf der 45. Biennale in Venedig gemeinsam mit Hans Peter Kuhn für die Installation „Memory / Loss“ erhalten haben, belegt, dass Sie auch außerhalb des Theaters gefeiert werden. Worum ging es dabei?

Was könnte eine adäquate Bezeichnung sein für den 1941 in Texas geborenen Robert Wilson, dem einst scheuen Sohn eines Rechtsanwalts, der, mit Fantasie begabt, bis zu seinem 17. Lebensjahr als schwer verhaltensgestört galt? Für ihn, dem weltweit gefragtesten Theater- und Opernregisseur mit Hang zum Gesamtkunstwerk, der auf allen Hochzeiten der Kunst tanzt, als Choreograph, Maler,…


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von Heinz-Norbert Jocks

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