Titel: Künstlergruppen · von Frank Popper · S. 130
Titel: Künstlergruppen , 1991

Frank Popper

Kollektive Absichten und Ausführungen in den Bildenden Künsten der Gegenwart

Eine Studie über das kollektive Schaffen und über zeitgenössische kollektive Kunstwerke sieht sich zwei Problemen von großer Bedeutung gegenüber: dem der Beziehungen zwischen Professionellen und Nicht-Professionellen und dem der Rolle, die heute das Individuum in einer schöpferischen Gruppe spielen kann.

In einer solchen Studie könnten auch jene Fragen in neuem Licht erscheinen, die bereits im ersten Band der Recherches poïétiques behandelt wurden.1

Zunächst einmal bezeichnet der Terminus «Kreation» eine physische oder psychologische Tätigkeit, deren Absicht die Errichtung eines Werks ist oder ganz einfach diese «künstlerische» Tätigkeit selbst. Wir vermeiden soweit wie möglich, dem Begriff «Kreation» einen metaphysischen Beiklang zu geben. Der Begriff der Kreation führt zu dem der Kreativität, die wir als doppeldeutiges Problem begreifen, insofern sie zwischen dem offenen Schaffen (Unternehmung ohne festgelegtes Ziel) und dem geschlossenen Schaffen (der Künstler weiß im voraus, worin sein Werk bestehen wird) angesiedelt ist.2

Der Terminus «kollektiv» setzt natürlich die Teilnahme von mehr als einer Person am Schaffensprozeß oder an der Konzeption des Werks in diesem oder jenem Stadium voraus. Was uns hier indes besonders interessiert, um auszumachen, was im kollektiven Schaffen im eigentlichen Sinne neu ist (und nicht nur Rekonstruktion eines kollektiven Beitrags zur Errichtung und Theoretisierung einer künstlerischen Bewegung zum Beispiel), ist die Verdeutlichung eines Vorgehens, und zwar unter vier Gesichtspunkten, die das kollektive Schaffen bestimmen. Zunächst das Vorgehen bezüglich der Anzahl – d.h. die Kreation zu zweit, zu dritt, als kleine Gruppe, als große Gruppe oder auch durch die Öffentlichkeit im allgemeinen; sodann…

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