Titel: Künstlergruppen · von Jürgen Raap · S. 302
Titel: Künstlergruppen , 1991

Jürgen Raap

Offenes Arbeitsfeld

Künstlergruppen im Raum Köln-Düsseldorf

Ein Lincoln Pullmann, Inbegriff der schweren, schwarzglänzenden Staatskarosse, glitt mit leise surrendem Motor vor den Haupteingang der Kölner Messehallen. Dort wurde im April 1989 gerade die Ausstellung „Bilderstreit“ eröffnet – Anlaß zur „Trauerarbeit“ einer Künstlerschar in Galakleidung. Vor laufenden Kameras, flankiert von Leibwächtern, zelebrierte die Gruppe eine Kranzniederlegung vor dem Foyer. „Mit Musik und Besinnung gedachte die Düsseldorfer Gruppe Syndicat dem unbekannten Maler“, informierte der „Rheinbote“ seine Leser, während das „Düsseldorfer Feuilleton“ sich über die „standesgemäße Vorfahrt“ der Künstler per Luxuslimousine mokierte und „die erste Aktion des FREIEN RHEINLANDES“ mit einem gedanklichen Ausrutscher kommentierte: „Mit einem Pomp hob sich … eine neue Künstlergruppe selbst aus der Taufe.“ Denn wer sonst hätte diesen Tauf- und Gründungsakt vollziehen sollen, wenn nicht die beteiligten Künstler aus Köln und Düsseldorf?

Die gruppengeschichtlichen Wurzeln des „Freien Rheinlandes“ liegen in der „Syndikat“-Formation (spätere Schreibweise: „Sündikat“) mit ihrer performancehaften „Besetzung“ öffentlicher Kunsträume und -ereignisse, die Robert Reschkowski im Laufe des Jahres 1988 in und vor Düsseldorfer Kunsttempeln zu inszenieren begann. Der Absolvent der Malereiklassen von Rupprecht Geiger und Gotthard Graubner an der dortigen Akademie wollte „mit Figuren und Rollen arbeiten, wie andere Künstler Farbe einsetzen“. Sozialstrategische Überlegungen mischten sich dabei mit künstlerischen, wenn ein Opernsänger an der Straßenbahnhaltestelle Belcanto-Arien ertönen ließ, ein Künstler mit einem überdimensionierten Keilrahmen hantierte (Titel: „Von Format sein“), dazu schicke Models Sekt schlürften und gemietete Leibwächter als „Kunstschutzorganisation“ herangezogen wurden, wenn Reschkowski Rundgänge durch Großausstellungen oder die ortsansässigen Galerien unternahm und die Exponate kritisch kommentierte. Dieses „sündige Kunstaktionstheater“ bemühte…

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