Gespräche mit Künstlern · von Amine Haase · S. 314
Gespräche mit Künstlern , 1991

Wirklichkeit ohne Anführungszeichen

Amine Haase sprach mit Hans Haacke

Hans Haacke, 1936 in Köln geboren, mit Wohnsitz in New York, soll zusammen mit Nam June Paik 1993 Deutschland auf der Biennale in Venedig vertreten. Kurz bevor Biennale-Kommissar Klaus Bußmann, der die politische Dimension seiner Entscheidung betont, bekannt gab, führte Amine Haase ein Gespräch mit Hans Haacke.

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Eine Frage an den Rheinländer in New York: Kann man in Europa noch politische Kunst machen?

Ich glaube, ja. Bei der Bejahung der Frage passe ich mich – unter freundlichem Protest – der allgemeinen, aber meines Erachtens irreführenden Sprachregelung an, wonach nur explizit politische Arbeiten politisch sind und politische Folgen haben können. Das ist eine falsche Einschätzung intellektueller Produkte, zu denen ich natürlich auch künstlerische Arbeiten zähle. Ob es von den Autoren beabsichtigt und ihnen bewußt ist oder nicht: das, was sie artikulieren, repräsentiert eine Weltsicht, die zwangsläufig ideologisch imprägniert ist. Je nach der Art und den Umständen, unter denen diese Produkte an die Öffentlichkeit geraten, haben sie eine größere oder geringere, eine unmittelbare oder eine schwer dingfest zu machende langfristige Wirkung auf das politisch-ideologische Klima.Zu Ihrer Frage nach explizit „politischer Kunst“ drei Beispiele, die ich aus persönlicher Erfahrung kenne: Ich denke an die Ausstellung „Die Endlichkeit der Freiheit“ in Berlin im September 1990, die ausdrücklich die politische Situation in der zu der Zeit noch zweigeteilten Stadt ansprach. Zum zweiten in diesem September die Ausstellung „ArgusAuge“ in München. Als sich die Stadt München und das Lenbachhaus Anfang des Jahres einfallen ließen, auf dem Königsplatz eine Freilichtausstellung zu veranstalten…

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