Titel: Künstlergruppen · von Christian Janecke · S. 160
Titel: Künstlergruppen , 1991

Christian Janecke

Viele Köche verderben den Brei:

Antwort auf die Frage, warum Kunstwerke einen und nicht mehrere Schöpfer haben

Vorbemerkung

Meine Frage richtet sich auf jene Kunst, die seit der Renaissance, bis auf Sonderprobleme wie Werkstattarbeit u.ä., jeweils die Kunst eines Künstlers und nicht etwa mehrerer war. Meine Aufgabe ist es nicht, diese beeindruckende Tatsache zu belegen. Jeder Blick auf die Geschichte der Kunst in den letzten 500 Jahren kann sich dieser Tatsache versichern. Ein Blick auf Tendenzen der jüngsten Gegenwartskunst, wie sie das KUNSTFORUM mehrfach vorstellte und umfassend dokumentierte, scheint zumindest die Unumstößlichkeit und Ausnahmslosigkeit dieser Tatsache zu dementieren.

Das hat mich herausgefordert, einmal die Gründe für die Singularität des Kunstschaffens zu benennen, denn die Selbstverständlichkeit ist nur die Patina der Gewohnheit. Wenn es nämlich historische Bedingungen waren, die den einzelnen Künstler übrigließen, so vermöchten andere Zeitumstände die Kooperation mehrerer zu begünstigen. Ist der Künstler der Moderne alleinschaffend nur deshalb, weil er als „Paradeindividualist“ die personifizierte Kompensation des Massenmenschentums vorexerziert, so wird er seine Rolle wechseln, wenn es an der Zeit ist.1

Liegen die Gründe für das Einzelschaffen aber tiefer, sind sie der Kunst nicht von Zeitumständen diktiert, sondern konstitutive Merkmale, ist das Einzelschaffen der Kunst also wesentlich, so wird die Zusammenarbeit mehrerer am einzelnen Werk eben nicht eine der zahllosen Bereicherungen oder „Erweiterungen“ des Kunstbegriffs beanspruchen können, sondern diesen selbst verabschieden.

Das klingt wie ein Affront gegen entsprechende Versuche in der Gegenwartskunst, ist aber eher eine Prüfung und Abschätzung des Verlusts, den eine Arbeitsgruppe von Künstlern notwendig in Kauf nehmen muß.2 Andererseits, das möchte ich…

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