Titel: Künstlergruppen · von Thomas Wulffen · S. 268
Titel: Künstlergruppen , 1991

Thomas Wulffen

Presence Panchounette

Die Gruppe „Présence Panchounette“ besteht nicht mehr. Sie wurde 1969 von Michele Ferrière, Jean-Yves Gros und Fréderic Roux gegründet.“Chounette“ bezeichnet landläufig in der französischen Sprache billige Spielwaren und Tand aus der dritten und vierten Welt. Mit Objekten solcher Herkunft hat die Gruppe gearbeitet, um mit ihnen Kunstbetrieb und Kunstproduktion in Frage zu stellen und zu unterminieren. Der Avantgardismus, der das Neue als essentielles Medium ansieht, ist nicht ihr Arbeitsfeld. „Es wäre gut, wenn das Gewissen sich mit folgenden bösen Gedanken abfinden könnte: die Ästhetik ist eine Ideologie wie jede andere auch.“1

Die Mitglieder sehen sich in kritischer Anhängerschaft zu den Pariser Situationisten. „Das Dekor ist solange Spektakel, bis es durch überladene Anhäufung zum eigenen Abklatsch wird.“2 Die Arbeiten der Gruppe setzten diese Erkenntnisse in die Tat, in das Kunstwerk, um. Normale Alltagsobjekte werden in Ensembles zusammengebracht und ergeben einen skulpturalen Komplex. Deutlicher wird die Kritik am überkommenen Avantgardismus in jenen Arbeiten, die mit vorhandenen Kunstwerken arbeiten. Eine Negerskulptur wird mit einem Walkman plus Kopfhörer versehen und auf einen Stoß Koffer gestellt. Ein abstraktes Gemälde wird mit einer Wandleuchte aus den fünfziger Jahren versehen.

Diese Arbeitsweise nimmt das „detournement“ der Situationisten auf. Guy Debord in seiner „Gebrauchsanleitung für die Entwendung“: „Man muß also eine parodistisch-ernste Stufe ins Auge fassen, in der die Anhäufung zweckentfremdeter Elemente, weit davon, Lachen oder Empörung hervorzurufen, indem sie sich auf die Kenntnis eines ursprünglichen Werkes bezieht, sich darum bemüht, ein bestimmtes Erhabenes auszudrücken, indem sie im Gegensatz dazu unsere Gleichgültigkeit gegenüber einem sinnentleerten und vergessenen Original…

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