Ausstellungen: Dortmund , 2002

ROLAND SCHAPPERT

Kontrollfelder. Programmieren als künstlerische Praxis

hartware medien kunst verein, Dortmund, 5.4. – 5.5.2002

Was funktioniert, ist bereits überholt.“ Paul Virilio brachte in seiner „Ästhetik des Verschwindens“ (1980) die Logik und die mystische Dimension westlicher Technikgläubigkeit auf eigenartige Weise zusammen. Das „Geheimnis“ des technischen Apparats beschreibt Virilio nicht nur als unbekannte und dadurch unschlagbare Waffe – was einmal mehr daran erinnert, dass der Fortschritt der Technik an die Weiterentwicklung der Kriegswaffen gekoppelt ist -, sondern ebenso als ein zweckfreies Spiel der Vorstellungen des Subjekts. Auf Effizienz und Berechenbarkeit kommt es hier nicht an, sondern auf die Potenzierung der Möglichkeiten, die Produktion von Unvorhergesehenem, die vorgebliche Unverwertbarkeit sowie die vermeintliche Freiheit einer sportlichen Betätigung.

Gegenwärtig bieten diejenigen technischen Apparate, die die modernen Kommunikationssysteme sowie das Internet ermöglichen, die größte Wahrscheinlichkeit für Unvorhergesehenes: Computer, die sich an der Schnittstelle zwischen Software, Datenübertragung und Datenbanken befinden und längst auch zu einem anerkannten Arbeitsplatz für systemtheoretische Forscher und selbstreferentielle Künstler avanciert sind. Man analysiert Komplexität, indem man sie selbst produziert. Egal ob konstruktiv oder aktivistisch anarchistisch – oder als Teilzeitmanagement: Tagsüber als Programmierer eines Unternehmens, nachts als Spieler oder Medienanarchist im Namen einer selbstlosen Kulturkritik. An dieser unentschiedenen Schnittstelle kommt zeitgenössische Medienkunst kaum vorbei. Der medien kunst verein hartware überließ zwei Kuratoren die Vermittlung des Programmierens als künstlerische Praxis: Der eine, Andreas Broekmann, brachte seine Erfahrung als Kurator der „transmediale“ (Berlin) ein, der andere, Matthias Weiß, ist maßgeblich beteiligt am Aufbau einer jungen online-Plattform für Netzkunst (www.art.net.dortmund.de) – worüber die meisten Arbeiten der Ausstellung auch verlinkt sind….

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von Roland Schappert

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