Magazin , 2002

Kunst und Gehirn.
Die Eroberung des Unsichtbaren

Stellen wir uns vor, wir wären zu Gast bei einer Strandfete. Irgendwo am Meer, an einer langen, gedeckten Tafel mit exotischen Speisen und hochprozentigen Getränken. Wir feiern die Hochzeit eines jungen Paares. Es gibt Geschenke, Tischreden und auch ein paar kleine musikalische Darbietungen. Mit der untergehenden Sonne steigt die Stimmung, Kerzen werden entzündet und die Gespräche mischen sich mit lautem Gelächter. Detlef B. Linke, Professor für Neurophysiologie an der Universität in Bonn, hat diese Metapher gewählt, um uns die Funktionsweise des Gehirns zu erklären. Denn ähnlich wie bei einer Hochzeitsgesellschaft gibt es nicht nur ein Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern es sind verschiedene Hirnpartien beim Wahrnehmungsprozess beteiligt.

Bekannt wurde Detlef B. Linke durch seine Buchveröffentlichungen „Hirnverpflanzung. Die erste Unsterblichkeit auf Erden“ (1993/1996) und „Das Gehirn“ (1999/2000). Großes Aufsehen erregte der Wissenschaftler jedoch als Befürworter der Kopftransplantation, die er als Alternative zum Tod für rechtlich medizinisch und ethisch vertretbar hält. Linke gehört zu den wenigen Menschen, die in der Lage sind, naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit dem geisteswissenschaftlichen Diskurs zu verbinden, eine seltene Gabe, die ihm nicht nur so manchen Auftritt in einer Talkshow, sondern 1998 auch einen Lehrauftrag an der Düsseldorfer Kunstakademie eingebracht hat. In seinem neuen Buch „Kunst und Gehirn. Die Eroberung des Unsichtbaren“ versucht der prominente Wissenschaftler nun das Geheimnis künstlerischer Kreativität zu lüften.

Aber wie kann die Hirnforschung einen Beitrag zur Erklärung dieses Phänomens leisten? Und wo im Gehirn würden sich künstlerische Prozesse abspielen? Detlef B. Linke lokalisiert als Ort der Kreativität das Stirnhirn: „Diesem…

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von Cornelia Gockel

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