Magazin · von Justin Hoffmann · S. 470
Magazin , 2002

Zwischen Body Art und Videokunst

Die Aktionskunst wurde bereits in verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen ausführlich behandelt. Das Besondere an dem Buch von Barbara Engelbach ist jedoch der an Gender Studies und Poststrukturalismus geschulte Blickwinkel, aus dem sie diese Kunstpraxis in der Phase um 1970 betrachtet. Ihr Interesse gilt dem Verhältnis von Körper und Technologie. Der gängigen Vorstellung, dass technische Medien zwangsweise zu einem Verlust des Körperlichen führen müssen, widerspricht Engelbach. Das Verhältnis von Körper und Medien ist für sie viel komplexer. So wohl die mediale Erweiterung des Organischen mit Hilfe technischer Apparaturen als auch die Frage nach der Kohärenz des Körpers sind zu berücksichtigen. Wie Engelbach aufzeigt, wird in den künstlerischen Arbeiten um 1970 in immer neuen Metaphern (z.B. Fotos als Haut) das Mensch-Medien-Verhältnis als ein spiegelbildliches beschrieben. Außerdem stellt die Autorin die behauptete lineare Geschichtsschreibung der sich von der Realität zur Fiktionalität verändernden Aktionskunst in Frage. Dabei betont sie, dass ihr Ausgangspunkt ein kunsthistorischer und nicht ein medientheoretischer sei. Aus der Analyse des Videogebrauchs entwickelt sie ihre Überlegungen zu technischen Medien. Der Zeitraum um 1970 ist gut gewählt, markiert er doch in der Tat einen entscheidenden kulturellen Einschnitt. In diesen Jahren gelingt es der Videokunst, sich als eigene künstlerische Richtung zu etablieren bzw. auszudifferenzieren. Es sind auch jene Jahre, in denen Aktionskünstler zunehmend den Anspruch aufgeben, Kunst und Leben zu verbinden. Technische Medien werden benützt, um sich vom Live-Charakter der Aktionen und Performances zu entwerfen und die körperliche Präsenz in Frage zu stellen. Trotzdem ließen es sich verschiedene Künstler nicht nehmen,…

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