Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Christian Huther · S. 373
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 2000

Christian Huther

Lucian Freud

»Naked Portraits«, Werke der 40er bis 90er Jahre

Museum für Moderne Kunst, 29.9.2000 – 4.3.2001

Die Urteile könnten kaum konträrer sein: Als „Altmeister des Hautausschlags“ beschimpfen ihn die einen, als „größten realistischen Maler der Gegenwart“ bezeichnen ihn die anderen. Doch unumstritten dürfte sein, dass seit Barockmeister Rubens keiner so drastisch wie delikat gemalt hat. Und Lucian Freud, der 78-jährige Enkel von Sigmund Freud, macht sich rar in Deutschland, seit er 1933 mit seinen Eltern nach England geflüchtet ist. So ist die Retrospektive im Frankfurter Museum für Moderne Kunst innerhalb des halbjährlichen „Szenenwechsels“ mit knapp 50 Ölbildern, Zeichnungen und Radierungen von den 40er Jahren bis heute erst die dritte Einzelpräsentation in Deutschland. 1988 hatte die Berliner Nationalgalerie eine Ausstellung aus England übernommen, 1997 wurde in Siegen sein grafisches Werk gezeigt anlässlich der Verleihung des Rubens-Preises an Freud.

Dass die deutsche Freud-Rezeption trotz hoher Marktpreise bisher eher verhalten ist, liegt wohl auch am Sujet der nackten Männer- und Frauenkörper, die der Künstler wie verblühende Landschaften schildert. Freud will den Betrachter irritieren oder sogar beunruhigen, wählt entsprechend manieriert gespreizte Posen für seine Modelle und malt schonungslos jede Hautfalte, als sei er „verliebt in die Krampfader“, wie ihm ein Kritiker bescheinigte. Dabei interessiert ihn, wie er einmal gestand, der Mensch nur als „tierisches Wesen“. Und das belegen auch seine von ihm so bezeichneten „naked portraits“.

Allerdings handelt es sich bei Freuds kruden, manchmal beinahe monströsen Akten keineswegs um erotische Bilder. Freud will vielmehr mit seiner gnadenlos ehrlichen oder zuweilen sogar übertreibenden Malerei zum eigentlichen Wesen der…

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