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Ausstellungen: Frankfurt a.M. · S. 437 - 437
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1989

Christian Huther
Magdalena Abakanowicz

Städel, 22.6.-20.8.1989

Alles begann mit dem „Nichts, um daraus Kunst zu machen“, mit dem Weben von Teppichen nämlich. Deprimiert von der in Doktrinen erstarrten künstlerischen Ausbildung, die sie erfahren hatte, beschloß Magdalena Abakanowicz, 1930 bei Warschau geboren und noch immer dort lebend, sich ihre eigene, scheinbar unverfängliche Kunstwelt zu erfinden. Also fing sie in den 60er Jahren mit dem Weben von großen Teppichobjekten namens „Abakans“ an, die allmählich dreidimensional wurden. Aus Teppichgarn, Sisal, Hanf, Roßhaar und Seilen entstanden dunkle, zwischen magischen Gebilden und entstellten Tieren einzuordnende Skulpturen. Mit dem üblichen Weben und Teppichknüpfen hatte das wenig zu tun, obwohl sie die Textilkunst anregte, zugleich über die künstlerischen und nationalen Grenzen hinweg Anerkennung erhielt.

Den Durchbruch schaffte sie auf der venezianischen Biennale von 1980 mit zwei Ensembles kopflos dasitzender, hohler Akte und einem Berg von Jutesäckchen aller Größen. Den Sprung aber in die vorderste Riege der allbekannten und teuren Stars hat sie in Westeuropa nicht gemacht, in ihrer Heimat dagegen ist sie so bekannt wie hierzulande Beuys oder Baselitz. Nun versammelte das Frankfurter Städel in seinen Ausstellungsräumen und im angrenzenden Skulpturengarten eine Auswahl der wichtigsten Werke aus den letzten 22 Jahren. Es ist die bislang größte westeuropäische Museumsausstellung der Künstlerin.

Magdalena Abakanowicz arbeitet in Zyklen und mit natürlichen Materialien, verwendet aber inzwischen nicht mehr selbstgewebte, sondern industriell hergestellte Textilien wie Sackleinen, Jute und Verbandsstoff. 1973 begann sie eine Serie von bandagierten und aufplatzenden Köpfen, ein Jahr später nahm sie Gipsabgüsse von einem sitzenden Menschen. Die Abgüsse, in Vorder- und Rückenfront geteilt,…


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