Ausstellungen: Köln / Mönchengladbach , 1988

Amine Haase

Mark Rothko/Joseph Marioni

Vom Sublimen zum Gegenwärtigen

Museum Ludwig, 30.1.-27.3.1988
Städtisches Museum Abteiberg, 21.2.-24.4.1988

„From the sublime to the actual – so far and so near“ – ein Satz in einem Brief von Joseph Marioni an mich, der mir den Mut zu dem Versuch gibt, den Weg vom Sublimen zum Gegenwärtigen in der Malerei zweier Generationen – zwischen Mark Rothko und Joseph Marioni – zu beschreiben. Rothko und Marioni, „so weit voneinander entfernt und doch so nah beisammen“.

Anlaß ist die außergewöhnliche Gelegenheit, eine umfassende Rothko-Ausstellung in Köln und die erste Museumsausstellung von Marioni in Mönchengladbach vergleichend sehen zu können. Wer die Möglichkeit nutzte, dieser Schule des Sehens zu folgen, der wind die historische Bedeutung dieser Parallelsicht einer (amerikanischen) Malereientwicklung erkannt haben: Die Entwicklung vom Abstrakten zum Konkreten. Rothkos Farbfelder sind abstrakte Kunst, trotz ihrer reinen Farberscheinung sind sie stets Zeichen für etwas anderes (des Sublimen, Transzendentalen, Geistigen). Marionis quasi monochrome Malerei ist ganz dem Konkreten verbunden; er porträtiert die Farbe, und die ist jeweils allein Ausdruck ihrer selbst. Marioni ist sich der schweren Arbeit des Wegbereitens durch Rothkos malerische Pioniertaten bewußt Und er weiß, daß seine Generation nicht so arbeiten könnte wie es ihr heute möglich i st, wenn Rothko mit seiner Kunst nicht den Weg geebnet hätte – „wie Manet für Monet“ (Marioni) oder Degas für die Folgenden.

Dennoch macht Marioni etwas völlig anderes als Rothko. Er wendet das Innere der Malerei – das Rothko durch Assoziationen geistiger Bezüge, durch eine Art Metaphysik der Malerei zu erfassen suchte – nach außen. Bei…

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