Magazin: Bücher , 2005

Thomas W. Kuhn

Moï Wer: Ci-contre.

110 Photos de Moï Wer

Nach der Wiederauflage der „Urformen der Kunst“ von Karl Blossfeldt (in 2003) und „Metal“ von Germaine Krull (ebenfalls in 2003) veröffentlichen Ann und Jürgen Wilde das jetzt erstmals gedruckte Buchprojekt Moï Wers aus dem Jahr 1931: „Ci-vontre“. Moï Wer, der 1904 in der litauischen Stadt Lebedova als Moïse Werebeischyk geboren wurde, der in der polnischen Schreibung Moses Vorobeichic hieß, sich selbst in Paris Moï Wer nannte, fälschlich – aber mit lang anhaltender Wirkung – als Moï Ver bekannt wurde und nach der Emigration ins damalige Palästina des Jahres 1934 letztlich im Jahr 1995 als Moshé Raviv im israelischen Safed bei Tel Aviv verstarb, hatte 1931 mit zwei Publikationen großen Erfolg erlangt: „Ein Ghetto im Osten – Wilna“ und „Paris“, mit einem Vorwort von Fernand Léger – zwei Bücher die heute in Sammlerkreisen für hohe Summen gehandelt werden. Nach den thematisch fokussierten Publikationen zum litauischen Stetl und zur französischen Metropole war das Projekt „Ci-contre“ (dt. gegenüber, nebenstehend) motivisch offener angelegt. Moï Wer schickte 1931 die Maquette layoutfertig an den Kunsthistoriker Franz Roh, mutmaßlich zur Publikation innerhalb der Reihe Fotothek, die dieser soeben begonnen hatte. Franz Roh war durch die Publikation des „fotoauges“ über die Grenzen Deutschlands hinweg in der Fotowelt bekannt geworden und Moï Wer selbst hatte einige Zeit am Bauhaus in Dessau studiert und war so mit der deutschen Situation im Bereich der zeitgenössischen Fotografie vertraut. Die Diktatur in Deutschland, in der Franz Roh mit Berufsverbot belegt wurde, verhinderte nach gegenwärtiger Deutung…

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von Thomas W. Kuhn

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