Magazin: Bücher · von Ursula Maria Probst · S. 394
Magazin: Bücher , 2005

Ursula Maria Probst

Jean-Francois Lyotard:
Das Elend der Philosophie

Die in der Publikation „Das Elend der Philosophie“ posthum veröffentlichten Texte wurden von Jean-Francois Lyotard in den Jahren zwischen 1986 und 1998 verfasst, im Ordner „Supplément au Différend“ abgelegt und wiederholt überarbeitet. Als der französische Anarchist Pierre-Joseph Proudhon 1846 eine Analyse der sozialökonomischen Verhältnisse verfasste und ihr den Untertitel „Philosophie des Elends“ gab, reagierte Karl Marx mit einer Polemik über „Das Elend der Philosophie“. Bereits als Verfasser der „Postmodernen Moralitäten“ und von „Das Inhumane“ wirft Lyotard die Frage auf, ob es heute Gründe gibt, die Größe der Philosophie zu preisen. Analogien zu Karl Marx existieren in der von Lyotard praktizierten Demut gegenüber einer Sprache, die nichts festschreibt. Hierin besteht übrigens auch eine interessante Parallele zur Videoansprache der Schriftstellerin Elfriede Jelinek anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises an sie. Dieses Sich-Entziehen der Sprache zeigt einen starken Impuls, sich dem Affekt zu nähern.

So bilden sich in den Texten von Lyotard einzelne Passagen mit kognitiven Systemen heraus, die den ungelösten Widerstreit zwischen Denken und Schrift thematisieren. Erneut trifft man auf die Antiästhetik von André Malraux oder auf die Hinterfragung postmoderner Modalitäten. Kunst, Literatur, Psychoanalyse, Religion und die eigenen philosophischen Schriften bilden die Schwerpunkte. Gilt es erneut gegen eine Totalität des Denkens anzukämpfen und subtile Fährten aufzunehmen? Aktualität gewinnt dieser Appell durch das Verschwinden der Intellektuellen aus dem öffentlichen Diskurs. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das von den USA auf Europa überzuschwappen droht. Die von der New York Times formulierte polemische Attacke auf die…

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