Nachrichtenforum · von Jürgen Raap · S. 12
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MUSEEN

Mit dem Gründungsdatum 1962 sind THE ROLLING STONES der älteste immer noch aktive Rock ’n Roll-Band der Welt; von der Ur-Formation sind heute noch Mick Jagger und Keith Richards dabei. Das MUSEUM GRONINGEN kündigt für den Zeitraum Oktober 2020 bis Januar 2021 eine Ausstellung über die Geschichte der Band mit 400 originalen Objekten an. „Neben Instrumenten und Bühnenentwürfen sind seltene Audio- und Videofragmente zu hören und zu sehen. Die Ausstellung enthält zudem persönliche Aufzeichnungen der Bandmitglieder, ikonische Kostüme, Plakate, Alben und sogar ihr Studio und das bescheidene Unterkommen in der Londoner Edith Grove“, ergänzt um Filmaufnahmen und interaktive Technik. Der Vorverkauf von Eintrittskarten beginnt im Mai 2020.

Anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens präsentiert die HAMBURGER KUNST-HALLE vom 23. August bis zum 10. November 2019 eine umfassende und vielschichtige Jubiläumsausstellung. Gemälde, Handzeichnungen, Graphiken sowie neu aufgearbeitetes Archivmaterial, Fotografien, Film- und Zeitungsberichte geben bisher unbekannte Einblicke in die Geschichte des Hauses. Von Freitag, dem 30. August bis zum Sonntag, dem 1. September 2019 findet zudem ein großes Fest-Wochenende anlässlich des Jubiläums statt.

Die FREUNDE DER KUNSTSAMMLUNG NRW in Düsseldorf übergaben an die Kunstsammlung als unbegrenzte Dauerleihgabe das monumentale, abstrakte Ölgemälde (2,5 × 2 m) „Mauer“ (1994) von GERHARD RICHTER. Abstrakte Bilder des in Köln lebenden Malers waren in der NRW-Kunstsammlung bislang noch nicht zu sehen.

Die BERLINER NGBK-NEUE GESELL-SCHAFT FÜR BILDENDE KUNST feiert in diesen Wochen ihr 50jähriges Bestehen. Sie wurde 1969 gegründet, in der Aufbruchstimmung der 1968er-Generation, die sich gegen die Verkrustungen im bildungsbürgerlichen Kulturbetrieb wandte und sich vor allem mehr basisdemokratische Strukturen wünschte. Bis heute haben die Mitglieder eine direkte Mitwirkungsmöglichkeit in der Gestaltung des Programms mir Ausstellungen, Rechercheprojekten, Interventionen und Projekten im öffentlichen Raum.

Die BAYERISCHEN STAATSGEMÄLDE-SAMMLUNGEN kooperieren bei der Ausstellungsvermittlung mit Google Arts & Culture. Die Ausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ in Münchens Alter Pinakothek ist nach ihrem Ende am 21. Juli 2019 weiterhin im digitalen Raum zu besichtigen. Mit mobilen Endgeräten ist das Angebot von 55 Werken und Zusatzinformationen über die kostenlose Google Arts & Culture-App unter dem Shortlink g.co / pinacaravaggisti einzusehen. Die Inhalte sind auch über die Ausstellungswebsite zu erreichen: www.pinakothek.de / caravaggisti

Als Ergänzungsbau für das NEUE MUSE-UM auf der Berliner Museumsinsel entwarf das Architekturbüro Chipperfield die James Simon-Galerie, die soeben eingeweiht wurde und künftig als Empfangsgebäude für die Museumsbesucher genutzt wird. Die Säulenanordnung des neuen Entrées spielt an den klassizistischen Stili an, welcher die Bauten auf der Museumsinsel prägte, als die preußischen Könige um 1840 damit begannen, zwecks „Erweckung und Erhöhung des Kunstsinns“ das Ensemble anzulegen – alle Baumaßnahmen auf der Insel waren allerdings erst 1930 beendet. Doch dann wurden die Gebäude im Zweiten Weltkrieg zu 70 Prozent zerstört. Der Wiederaufbau des Neuen Museums war erst 2009 beendet. James Henry Simon (1851 – 1932) war ein Unternehmer, der die Berliner Museen förderte. In kulturellen Dingen war er auch ein enger Gesprächspartner und Vertrauter von Kaiser Wilhelm II., und ihm hat u.a. das Ägyptische Museum die Übereignung der Nofretete-Büste zu verdanken.

„Neue Ausstellungen, neue Labore, neue Vermittlungsformate, ein neues Selbstverständnis“ meldet das ARS ELECT-RONICA CENTER IN LINZ. „Wir haben sämtliche Ausstellungen neugestaltet, eine ganze Etage zum Labor umgebaut, alle Führungen, Workshops und unser Schulprogramm neu konzipiert“, erläutert Gerfried Stocker, Künstlerischer Leiter der Ars Electronica. Die Maßnahmen haben 4 Mill. Euro gekostet; davon hat die Stadt Linz 2,5 Mill. Euro übernommen. Das Haus versteht sich als „Museum der Zukunft“ und dokumentiert die Entwicklungen in den Bereichen Artificial Intelligence, Neurowissenschaften, Neuro-Bionik, Robotik, Prothetik, autonome Mobilität sowie Gen- und Biotechnologie. Das nächste Ars Electronica Festival findet vom 5. – 9. September 2019 unter dem Titel „Out of the Box – Die Midlife-Crisis der Digitalen Revolution“ statt.

 

KULTURPOLITIK

Im Februar 2019 entschied in zweiter Instanz der Bundesfinanzhof, dass „die Tätigkeit des Fördervereins der globalisierungskritischen Nichtregierungsorganisation attac nicht gemeinnützig ist.“ Als die Deutsche Umwelthilfe vor Gericht Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge in manchen Großstädten erstritt, begannen Politiker von CDU / CSU und FDP laut darüber nachzudenken, ob man auch dieser Organisation den Status der Gemeinnützigkeit entziehen sollte. OLAF ZIMMERMANN vom DEUTSCHEN KULTURRAT sieht in solch einer Politik eine gefährliche Tendenz, die irgendwann vielleicht auch Kunstvereine und andere Kulturprojekte betreffen könnte: „Vereine sorgen sich, auch im Kulturbereich, ob bei generellen politischen Äußerungen bereits der Entzug der Gemeinnützigkeit drohen könnte.“ Das Gemeinnützigkeitsrecht dürfe nicht für politische Auseinandersetzungen missbraucht werden, fordert Zimmermann: „Der Umgang der Regierungen in Polen und Ungarn mit Nichtregierungsorganisationen zeigt eindrücklich, wie schnell ein Schaden entstehen kann, der eine Demokratie in den Grundfesten erschüttert.“

Im Auftrag des niederländischen Ausch-witz-Komitees entwarf der Architekt Daniel Libeskind ein HOLOCAUST-MAHNMAL FÜR AMSTERDAM. Es soll aus 102.000 Steinen bestehen; in jeden ist der Name eines Holocaust-Opfers eingraviert. In den besetzten Niederlanden begannen die deutschen Nazis 1942 mit der Deportation niederländischer Juden, Sinti und Roma nach Osten; die meisten kamen in den Gaskammern der Vernichtungslager in Polen um, die anderen durch Krankheiten, Erschöpfung und Auszehrung. Ein Gericht wies unlängst in Amsterdam die Klage von Anwohnern ab, die gegen den Entwurf protestiert hatten, weil sie am Entscheidungsverfahren nicht beteiligt waren und weil für das Mahnmal 24 Bäume gefällt werden müssen. Das Gericht befand jedoch, „das Interesse des nationalen Mahnmals wiege schwerer als die Interessen der Anwohner“.

Wer bauen will, muss bei der zuständigen Behörde eine BAUGENEHMIGUNG beantragen und dafür Gebühren zahlen. Das ist heute fast überall in der Welt so, nur nicht in Barcelona. Jedenfalls hat die Bürgermeisterin der katalanischen Metropole, Ada Colau, herausgefunden, dass die katholische Kirche bis heute nie eine Baugenehmigung für die BASILIKA „SAGRADA FAMILIA“ des Architekten Antoni Gaudi besaß. Baubeginn war 1882, doch bis heute ist die Kathedrale unvollendet, denn die Pläne wurden nachträglich vergrößert – Gaudi selbst arbeitete 43 Jahre lang bis zu seinem Tod an dem Projekt. Im spanischen Bürgerkrieg 1936–39 wurde der Bau schwer beschädigt. Jetzt soll das Wahrzeichen der Stadt bis 2026 endlich fertiggestellt sein, zum einhundertsten Todestag des Architekten Gaudi. Dafür muss die Baugesellschaft jetzt allerdings 4,6 Mill. Euro für die Baugenehmigung und weitere 36 Mill. Euro an Ausgleichszahlungen, für die von den Bauarbeiten beeinträchtigen Nachbarn aufbringen, setzte die linke Stadtverwaltung durch. Die zuständige Stadtplanerin Janet Sanz erklärte gegenüber der Presse, die katholische Kirche genieße nun „keinerlei Privilegien“ mehr und müsse nun für die Baugenehmigung „wie alle“ zahlen.

Der BERLINER SENAT beschloss einen DOPPELHAUSHALT FÜR 2020 / 21, bei dem für Kultur und Europa ein Gesamtvolumen von 593,2 Millionen Euro für 2020 und 606,8 Millionen Euro für 2021 eingeplant ist. 2019 muss Kultursenator Klaus Lederer mit deutlich weniger auskommen, nämlich 538,8 Millionen Euro. „Kulturfachlich legt der Doppelhaushalt 2020 / 2021 einen Schwerpunkt auf die Berliner Museen, Gedenkstätten und Einrichtungen Bildender Kunst. So sind für diesen Bereich im Jahr 2020 etwa 11 Millionen Euro, im Jahr 2021 etwa 18 Millionen Euro mehr als im Jahr 2019 (ca. 99 Millionen Euro) geplant“, heißt es in der Pressemitteilung des Kultursenators. Lederer legt Wert darauf, dass „die tarifliche Entwicklung in Berliner Kultureinrichtungen zu 100 Prozent ausgeglichen“ sein wird und „somit nicht zu Lasten der künstlerischen Etats“ geht.

 

HOCHSCHULEN

GABY HERMANN ist seit dem 1. Juni 2019 neue Kanzlerin an der AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE STUTTGART. Ihr Vorgänger Martin Bönke hatte das Amt Ende November 2018 aufgegeben. Hermann ist studierte Informatikerin und war zuletzt Geschäftsführerin der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Duisburg-Essen.

JOHAN FREDERIK HARTLE wird am 1. Oktober 2019 neuer REKTOR DER AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE WIEN. Er löst Eva Blimlinger ab, die die Akademie seit 2011 geleitet hat. Hartle war 2008 / 2009 Gastprofessor an der Kunstakademie Münster. 2017 wurde er zum Ordinarius für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe berufen, leitete die Hochschule auch seit dem 1. April 2018 kommissarisch.

Zum Abschluss des achtjährigen Programms „Tanzfonds Erbe“ der Kulturstiftung des Bundes mit 60 realisierten Einzelprojekten findet in der Berliner AKA-DEMIE DER KÜNSTE vom 24. August bis zum 21. September 2019 eine Veranstaltungsreihe mit Ausstellung, Aufführungen, Workshops und Vorträgen statt. Titel: „Was der Körper erinnert. Zur Aktualität des Tanzerbes“. „Am Beispiel des Tanzes wird das kulturelle Gedächtnis als ein offener Prozess von Gegenwartskunst begriffen. In der Aneignung historischer Choreographien und ihrer Transformation durch die Körper und Bewegungen von Tänzerinnen und Tänzern entsteht ein Raum kultureller Erinnerung.“

JAN BOELEN verlässt im Herbst 2019 das Z33 House for Contemporary Art in Hasselt (Belgien), wo er seit 2001 wirkte, und wird dann neuer REKTOR AN DER HFG_ HOCHSCHULE FÜR GESTALTUNG KARLSRUHE. Der studierte Produktdesigner Boelen war u.a. Kurator der 4th Istanbul Design Biennial mit dem programmatischen Titel „Design as Learning. A School of Schools“. Er ist außerdem seit vielen Jahren Dozent an niederländischen und belgischen Kunsthochschulen und berät die Geschäftsführer und Vorstände von Philips Light und Vitra im Bereich Innovationen und möglicher Zukunftsstrategien.

Die HFG OFFENBACH plant einen Neubau. Dafür hat das Land Hessen ein Grundstück am Mainhafen angekauft. Der jetzige Standort am Isenburger Schloss erlaubt keine räumliche Erweiterung, doch die ist mit mehr als 750 immatrikulierten Studenten und über 100 Professoren, anderen Lehrkräften und weiteren Mitarbeitern dringend nötig. Zupass kommt den Offenbachern nun die Entscheidung der Landesregierung, „in ihrem Hochschulbauprogramm HEUREKA II ab 2021 einen Schwerpunkt bei den Kunsthochschulen zu setzen.“ Für die bauliche Neuordnung der HfG Offenbach einschließlich Grundstückskauf stehen rund 100 Mill. Euro zur Verfügung. Für das 15.000 qm große Grundstück wird noch in diesem Jahr ein Architektenwettbewerb ausgelobt.

CAMPUS GEGENWART veranstaltet in Kooperation mit der ABK-Akademie der bildenden Künste Stuttgart eine Workshopreihe, die noch bis zum 30. September 2019 läuft. In der Musikhochschule finden diese Workshops unter dem Leitmotto „Über Performance“ statt; sie bieten den Studierenden „die Möglichkeit, verschiedene performative Ideen, Methoden und Vorstellungen kennenzulernen, die mit dem Begriff der Performance bzw. des Performa tiven verbunden sind“, wobei es dabei in erster Linie um „Formen kollektiven Handelns“ geht. „Der Begriff der Performance bzw. der Performativität hat eine beispiellose Karriere in verschiedensten Fächern und Disziplinen vorzuweisen – von der feministischen Theoriebildung über den Tanz bis hin zu performativen Praktiken in Theater, bildender Kunst und Musik. Wie aber kann dieses heterogene und vielschichtige künstlerische Feld beschrieben und definiert werden? Ist Performance nun eine Randerscheinung künstlerischer Aufführungspraktiken (z. B. in Theater und Konzert)? Richtet sie sich gegen tradierte Kunstbegriffe oder ist Performance als Methode heute längst im Mainstream künstlerischer Arbeitsweisen angekommen? … “ http://www.abk-stuttgart.de

Die Ausstellung ALLTAG FORMEN! BAUHAUS-MODERNE IN DER DDR m Dokumentationszentrum Eisenhüttenstadt (bis 5. Januar 2019) entstand in KOOPERATION MIT DER WEISSENSEE KUNSTHOCHSCHULE BERLIN. Eine Arbeitsgruppe im Fachgebiet Visuelle Kommunikation erarbeitete unter der Leitung von Professor Steffen Schuhmann die Ausstellungsinszenierung und die Gestaltung des Katalogs. Die Ausstellung dokumentiert, „wie in der Sowjetischen Besatzungszone und der frühen DDR an das Erbe des Bauhauses angeknüpft wurde. Bauhäusler wie Mart Stam und Selman Selmanagic – beide waren prägende Gestalten an der gerade eröffneten Kunsthochschule in Berlin-Weißensee – sahen hier die Möglichkeit, die Forderung ,Volksbedarf statt Luxusbedarf‘ gesellschaftliche Realität werden zu lassen. Trotz massiver Widerstände in den 1950er Jahren gelang es ihnen im Sinne des Bauhaus eine neue Generation Gestalter auszubilden, deren Entwürfe die Alltagskultur der DDR prägten.“

 

BIENNALEN

Nicolas Bourriaud kuratiert die 16. ISTAN-BUL-BIENNALE (14. Sept. bis 10. November 2019). Der Kunstwissenschaftler leitet das Ausstellungshaus Montpellier Contemporain (MoCo) und ist Mitbegründer des Palais de Tokyo in Paris. Seine Publikation „Esthétique relationnelle“ (1998) gilt als wegweisend für die kunstwissenschaftliche Bewertung der Kunst der 1990er Jahre. Dabei geht er nicht von einem Objektbegriff aus, mit dem Gemälde, Skulpturen oder Videoinstallationen zu beschreiben sind, sondern er rekurriert stattdessen auf referenzielle Beziehungen im Kunstgeschehen: Spiele, Feste und kommunikative Orte für Kunst sind für ihn ästhetische Objekte. Die jetzige Istanbul Biennale steht unter dem Motto „The Seven Continents“. Die 57 künstlerischen Beiträge verteilen sich über diverse Orte in der Stadt.

Die LYON BIENNALE (18.09.2019–05.01. 2020) zieht in diesem Jahr in die 29.000 qm große Fagor-Fabrik um. Diese Ausgabe kuratiert das Palais de Tokyo, das die Biennale als eine „riesige Landschaft mit ungleichmäßiger Topographie und ungeklärtem Klima“ inszeniert. In diesem Sinne betrachten die Kuratoren als ein Ökosystem, in dem „Kunstwerke und Künstler die Kunst der Permakultur kultivieren, an der Schnittstelle von Landschaften biologisch (alle Interaktionen mit lebenden Organismen, ob Pflanzen, Tieren oder Bakterien); ökonomisch (alle Interaktionen mit Ressourcen und dem Appetit, den sie mit sich bringen: produzieren, verteilen, konsumieren) und kosmogonisch (alle Beziehungen zum Geist der Welt und unser Bewusstsein unseres Platzes im Universum).“ Die Teilnehmerliste umfasst etwa 50 künstlerische Beiträge mit ortsbezogenen Installationen.

Der Titel der MANIFESTA 13 steht fest: das kuratorische Team bestehend aus Katerina Chuchalina, Stefan Kalmár, Marina Otero Verzier und Alya Sebti gab mit Manifesta-Direktorin Hedwig Fijen den Titel der Manifesta 13, die vom 07. Juni 2020 bis zum 01. November 2020 in Marseille stattfinden wird, bekannt: „Traits d’unios.s“ (erweiterte Union) verweist auf die Erweiterung der Repräsentationsformen einer Stadt, indem neue Kollaborationen und Netzwerke aktiviert werden: Teil dieser Herangehensweise sind Open Calls für Projekte, die im Rahmen des parallel laufenden Programms Les Parallèles du Sud in das Geschehen eingegliedert werden sollen. Zur Teilnahme aufgefordert werden lokale und internationale KünstlerInnen, die sich vom 01. Juli 2019 bis zum 25. September 2019 über die Website der Manifesta bewerben können. http://www.manifesta13.org

María Berríos, Renata Cervetto, Lisette Lagnado und Agustín Pérez Rubio kuratieren die nächste BERLIN BIENNALE, die vom 13. Juni bis zum 23. September 2020 stattfindet. Sie stammen alle aus Südamerika und setzen „auf eine Zusammenarbeit, in der jede einzelne Stimme der kuratorisch Verantwortlichen zum Ausdruck kommt.“

Zur Biennale BERGEN ASSEMBLY (05.09. 2018 – 10.09.2019) haben die künstlerischen Direktoren Hans D. Christ und Iris Dressler zehn Künstler, Kuratoren, Theoretiker und Aktivisten eingeladen, sich zu einer Kerngruppe zusammen zu schließen und das Programm der Biennale als „kollektiven Prozess“ zu entwickeln. Zu dieser Gruppe gehören Murat Deha Boduroğlu, Banu Cennetoğlu, María García, Viktor Neumann, Paul B. Preciado, Pedro G. Romero, Hiwa K, Katia Krupennikova, Simon Sheikh und Emma Wolukau-Wanambwa. Das konkrete Programm besteht dann aus individuellen und gemeinschaftlichen Projekten, die sich teilweise auch überschneiden, Workshop, „Parlamenten“, Performances, Filmvorführungen und Diskursveranstaltungen, zu denen dann jeweils weitere Künstler eingeladen werden.

Für die KARACHI BIENNALE (26.10.– 08.11.2019) wurde Muhammad Zeeshan als Kurator berufen. Seine künstlerischen Wurzeln liegen in einer Ausbildung zur Miniaturmalerei, bevor er sich auf kuratorische Konzepte und öffentliche Projekte konzentrierte. Die Initiatoren der Karachi Biennale erwarten von ihm ein Programm, das die lokale Szene mit Aspekten einer Globalkunst verzahnt.

 

MESSEN

DIE ART BERLIN (12.– 15. Sept. 2019) habe „mit dem Einzug in Hangar 5 und 6 des Flughafens Tempelhof einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht, bleibt trotz der Kojenformate aber gut überschaubar.“ 110 Galerien nehmen diesmal an der Art Berlin teil, dabei überwiegen Galerienamen aus dem deutschsprachigen Raum. Etwa 30 von ihnen treten mit einem „Special Project“ auf, d. h. mit einer Einzelpräsentation. Außerdem ist ein Sektor „Salon“ angekündigt mit 15 jungen Plattformen und Projekträumen, darunter O-Town House, Los Angeles, Sans titre, Paris, Schiefe Zähne, Berlin, Sundogs, Paris, und The Performance Agency, Berlin. Als Kooperationspartner präsentiert die LIS-TE ART FAIR BASEL ihr Videoprogramm: dazu gehören u. a. Arbeiten von Daniela und Linda Dostalkova, Gerrit Frohne-Brinkmann und Paul Spengemann, Penny Goring, Liv Schulman und Buhlebezwe Siwani. Eingebunden in die BERLIN ART WEEK (11. – 15. Sept. 2019) mit rund 20 teils hochkarätigen Begleitveranstaltungen in diversen Institutionen vom Landesmuseum Berlinische Galerie bis zum Neuen Berliner Kunstverein, zudem auch mit zeitgleichen Ausstellungen in „hunderten von Galerien“, markieren die Messen Art Berlin und POSITIONS BERLIN ein Treiben, das auf der einen Seite dem Anspruch folgt, dass Berlin „auch Kunsthauptweltstadt“ sein will, das aber auf der anderen Seite z. B. die „Berliner Zeitung“ auch zunehmend kritisch beäugt: „Inzwischen freilich verkommt so vieles zum rasanten Event, nivelliert ein Kunstspektakel das nächste.

Seit 2005 findet die CI CONTEMPORA-RY ISTANBUL (12.– 15. Sept. 2019) statt und gilt inzwischen als „die bedeutendste zwischen Europa und dem Nahen Osten.“ Dass jüngst ein politischer Gegner Erdogans die Bürgermeisterwahl gewann, wird wohl auch in der lokalen Kunstszene eine Signalwirkung gehabt haben. Mit 80.000 Besuchern ist die CI vor allem eine Publikumsmesse, und sie stärkt den Wirtschaftsstandort Istanbul – in der lokalen Politik sieht man die Veranstaltung auch als Tourismus-Magneten.

Die EXPO CHICAGO (19. – 29.09.2019) ist seit 2012 Nachfolgeveranstaltung der Art Chicago, die einst mit dem Anspruch, eine Art amerikanische Art Basel sein zu wollen an den Start ging, deren Ausrichter sich aber dann 2011 wegen finanzieller Schwierigkeiten zurückzogen. Als künstlerischer Manager ist Tony Karman für das EXPO-Programm verantwortlich, wobei er im er eng mit lokalen Institutionen und Events kooperiert, z. B. der Chicago Architecture Biennal, die vom 19. Sept. 2019 bis zum 1. Mai 2020 stattfindet – beide Veranstaltungen beginnen also in diesem September zeitgleich. Bei der jetzigen EXPO ist auch Snarkitecture einer der Partner mit einer großen Installation im Aon Grand Ballroom am Navy Pier, in unmittelbarer Nachbarschaft der EXPO. Zum Rahmenprogramm gehört außerdem 2019 das Projekt „The ship of Tolerance“ von Emilia und Ilya Kabakov, das vom 16. September 2019 an bis Oktober 2019 in Chicago gastiert.

Die FRIEZE ART FAIR LONDON und ihre Parallelveranstaltung FRIEZE MASTERS (jeweils 3. bis 6. Okt. 2019) listen rund 160 Galerien im zeitgenössischen Teil und 130 bei den Masters auf; hier reicht die Spanne von den Alten Meistern bis zur Kunst des 20. Jh. Beide Messen finden im Regent’s Park statt. Mit etwa 25 Künstlern findet auch jedes Mal als Begleitprogramm in den English Gardens des Regent’s Parks eine Open air-Ausstellung „Frieze Sculpture“ statt.

Die Schweizer Messegesellschaft MCH unternimmt eine strategische Neuausrichtung und gibt dabei ihre Beteiligung an kleineren regionalen Kunstmessen auf. Betroffen davon ist auch die ART DÜSSELDORF, die in diesem Herbst vom 15. bis 17. November 2019 zum dritten Mal stattfindet. Die MCH verkauft nämlich ihre 25,1-Prozent-Anteile an die Londoner Messeorganisatoren Sandy Angus und Tim Etchels, die damit neuer Partner der Art Düsseldorf werden. Gleichzeitig kaufen Angus und Etchels noch einen weiteren Anteil in Höhe von 15 Prozent an der Art Düsseldorf hinzu. Mit dieser Partnerschaft vermag sich die Art Düsseldorf einerseits gegenüber den regionalen Konkurrenzmessen in Köln besser zu positionieren, andererseits erhofft sich der Art Düsseldorf-Direktor Walter Gehlen gleichzeitig auch einen „Zugang zu wichtigen Sammlern im asiatisch-pazifischen Raum“, denn Angus und Etchels haben 2008 die Art Hongkong ins Leben gerufen und sind darüber hinaus noch an anderen Messen in Asien beteiligt.

Die Westergasfabriek ist Schauplatz der UNSEEN AMSTERDAM (20. – 22. Sept. 2019). Sie fand 2012 zum ersten Mal statt und hat sich inzwischen am Messekalender als eine Fotomesse etabliert, die bislang noch unentdeckte Fotokünstler und bisher noch nicht gezeigte Fotos etablierter Fotografen vorstellen will. Direktorin der Unseen Emilia Van Lynden wagt in der Fotoszene den „Blick nach vorn“ mit einem Messeprogramm mit Fotografen, von denen viele den Geburtsjahrgängen Ende der 1980er Jahre zuzurechnen sind – und dieses junge Programm, durchmischt mit einigen Etablierten, findet positive Resonanz, denn letztes Jahr kamen 25.000 Besucher.

 

GALERIEN

DAVID ZWIRNER, Galerist in New York, hat angekündigt, im Oktober 2019 eine Filiale in Paris zu eröffnen. Zwirner unterhält bereits eine Dependance in London, doch angesichts des bevorstehenden Brexits bevorzugt er nun ein weiteres Standbein auf dem europäischen Festland, d. h. in einem Land, das auch künftig Mitglied der EU sein wird – auch der Kunsthandel profitiert vom europäischen Binnenmarkt. In Paris übernimmt Zwirner die Räume der Galerie VNH, die im Juli 2019 dort ihre Pforten schloss. Die neue Adresse liegt im Marais-Viertel in der Rue Vieille du Temple, unweit des Centre Georges Pompidou. Die Eröffnungsausstellung der Galerie zeigt neue Werke des amerikanischen Künstlers Raymond Pettibon.

Über das gesamte Stadtgebiet von St. Georgen im Schwarzwald verteilt sind externen RÄUME FÜR KUNST DER SAMMLUNG GRÄSSLIN. Hinzu kommen nun die Räume einer ehemaligen Autohandelsgesellschaft „wo wieder Autos präsentiert werden – aber als Kunst.“ Zu sehen sind die drei Werke Capri bei Nacht (1982), Orgonkiste bei Nacht (1982) und Türe bei Nacht (1982) von Martin Kippenberger und Albert Oehlen, die mit einem Gemisch aus Dispersionsfarbe und Haferflocken bemalt sind, sowie die Arbeit Kao Ka Moo (2000) von Tobias Rehberger.

Die Berliner Galerien Burster aus Wilmersdorf, KWADRAT aus Kreuzberg, Katharina Maria Raab aus Tiergarten und Schwarz Contemporary aus Neukölln sind für den VBKI-PREIS BERLINER GALERI-EN 2019 nominiert. Eine von ihnen erhält dann am 13. September 2019 den Preis in Höhe von 10.000 Euro. Die Preisverleihung findet an diesem Tag im Rahmen der Berlin Art Week statt.

Die GALERIE HAUSER UND WIRTH hat exklusiv die weltweite Vertretung der Fotografin Annie Leibovitz übernommen. Nach einer ersten Werkpräsentation im Frühjahr 2019 in Los Angeles zeigte die Galerie an ihrem Stand auf der diesjährigen Art Basel eine 63teilige Arbeit der Fotokünstlerin. Eine weitere Einzelausstellung mit Werken von Annie Leibovitz planen Hauser und Wirth für den Zeitraum 23. November 2019 bis 8. Februar 2019 in ihren Räumen im H-Queen-Gebäude in Hongkong.

Die GALERIE ELISABETH & KLAUS THOMAN aus Wien wurde auf der Kunstmesse Art Bodensee mit dem „LIFETIME ACHIEVEMENT AWARD FOR GALLE-RISTS“ ausgezeichnet. Mit dem Preis wird das langjährige Engagement der Galerie für die zeitgenössische österreichische Kunst gewürdigt, u. a. für Franz West oder Hermann Nitsch. Mit dem „Female Empowerment Awards“ wurden Nicole Adler, Sophia Vonier und Lisi Hämmerle bedacht, weil sie sich dafür einsetzen, den Anteil an Künstlerinnen in ihren Galerien zu erhöhen.

Der Galerist LARRY GAGOSIAN führte in seiner Pariser Dependance eine Benefiz-Ausstellung „An Exhibition for Notre Dame“ durch. Der Erlös aus den Verkäufen kommt dem Wiederaufbau der bei einem Brand stark beschädigten Pariser Kathedrale zugute. Angeboten wurden Werke u. a. von Balthus, Theaster Gates, Georg Baselitz, Frank Gehry, Katharina Grosse, Andreas Gursky, Takashi Murakami, Giuseppe Penone, Ed Ruscha, Richard Serra, Cindy Sherman, Patti Smith und Rachel Whiteread. Außerdem hat Gagosian in Basel eine weitere Filiale eröffnet. Einen Raum, den er ursprünglich nur zur Art Basel bespielen wollte, behält er nun für mindestens ein Jahr dauerhaft. In Genf unterhält er bereits eine zweite Dependance in der Schweiz. Insgesamt verfügt die Gagosian Gallery weltweit über 16 Standorte.

 

PERSONALIEN

REIN WOLFS gibt den Intendantenposten an der BONNER BUNDESKUNSTHALLE auf und wird ab Dezember 2019 Direktor des Stedelijk Museum in Amsterdam. Dort ist er für die kuratorischen und künstlerischen Aspekte der Museumsarbeit verantwortlich. Für die kaufmännischen Belange wird ihm ein noch zu berufender Co-Direktor zur Seite gestellt. In Bonn hatte er ab 2013 die Bundeskunsthalle aus einer Krise herausgeführt und das Haus wieder zu einem Besuchermagneten gemacht.

KATE FOWLE ist ab September 2019 neue DIREKTORIN DES MUSEUMS MOMA PS1 in New York. Als Chef-Kuratorin hatte Fowle zuvor für das Garage Museum of Contemporary Art in Moskau und danach bei der Vereinigung Independent Curators International gearbeitet. In New York folgt sie auf Klaus Biesenbach, der seit 2010 Chef-Kurator beim MoMA und dann auch Direktor des PS1 war. Biesenbach ist jetzt Chef am Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles.

BARBARA FREY, schweizerische Theaterregisseurin und Musikerin, wurde vom Aufsichtsrat der Kultur Ruhr GmbH unter dem Vorsitz von NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen zur KÜNSTLE-RISCHEN LEITERIN DER RUHRTRIEN-NALE für die Spielzeiten 2021 bis 2023 berufen. Sie tritt ihr Amt im November 2020 an. Mit rund 150 Veranstaltungen im August und September 2019 ist die Ruhrtriennale das größte Kulturfestival in NRW Mit Schauspiel, Musiktheater, Konzerten, Performances und Installationen.

BART VAN DER HEIDE ist ab dem 1. Juni 2020 neuer DIREKTOR AM MUSEUM FÜR MODERNE UND ZEITGENÖSSI-SCHE KUNST BOZEN und beginnt bereits im Herbst 2019 „mit seinen vorbereitenden Arbeiten zum künftigen Programm des Hauses“. Zuletzt war Bart van der Heide Chefkurator und Forschungsleiter am Stedelijk Museum Amsterdam. In Bozen durfte seine Vorgängerin Letizia Ragaglia aufgrund des Stiftungsstatuts sich nicht für eine weitere Amtszeit bewerben.

C.O. PAEFFGEN ist mit 86 Jahren gestorben. Der in Köln geborene Maler und Bildhauer stammte aus einer bekannten Brauerei-Familie, studierte zunächst Jura, bevor er sich Ende der 1960er Jahre der Kunst zuwandte. Ihm gelang es über ein halbes Jahrhundert, das System „Kunst“ mit Unmittelbarkeit und Raffinesse zu reflektieren. Sei es über die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit als Materiallager über Neuzusammenstellungen von Fundgegenständen oder über seine reduzierte – oftmals herrlich ironische – Bildwelt. Letzteres zeigt sich insbesondere bei seinen Arbeiten mit Zeitungsausschnitten und Fotos, in denen er scheinbar mit Filzstift nachgezeichnete Bilder aus Zeitungen auf die Leinwand bringt.

EBERHARD HAVEKOST starb überraschend im Alter von 52 Jahren. Der gelernte Steinmetz studierte in den 1990er Jahren an der Dresdner Kunstakademie und schloss das Studium als Meisterschüler von Ralf Kerbach ab. 2010 nahm er einen Ruf als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie an. Auf dem Kunstmarkt wurde er von der Galerie Gebr. Lehmann vertreten. Stilistisch entwickelte er aus dem Fotorealismus der 1970er Jahre einen veristischen Malstil, brach dabei aber bewusst mit den Sehgewohnheiten des Betrachters.

SARAH SCHUMANN starb im Alter von 85 Jahren. Die Malerin, Kuratorin und Essayistin zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der Nachkriegsmoderne. Mit ihren „Schock-Collagen“ aus Illustriertenfotos konterkarierte sie die Heile Welt-Ästhtetik der Wirtschaftswunderjahre. 1968 schloss sie sich in Berlin der Gruppe „Brot und Rosen“ an, wirkte in den 1970er Jahren in Filmen der Regisseurin Helke Sander mit und war 1977 Mitinitiatorin der Frankfurter Ausstellung „Künstlerinnen international 1877 – 1977“ – bedeutende Künstlerinnen des 20. Jh im Kunstbetrieb exponiert vorzustellen war damals ein absolutes Novum. Gemälde und Collagen der verstorbenen Künstlerin sind ab dem 11. August 2019 im Künstlerhaus Göttingen zu sehen.

FRIEDER BURDA, Sammler und Museumsgründer, starb im Alter von 83 Jahren. Er wurde im Verlagskonzern seines Vaters kaufmännisch ausgebildet, war im Verlags- und Druckereiwesen tätig und begann schon 1968 mit dem Aufbau einer Kunstsammlung – sein erstes Bild kaufte er damals für 3.500 DM, eine Arbeit von Lucio Fontana. In den 1980er Jahren konzentrierte er seine Sammlungstätigkeit vor allem auf Gerhard Richter und Sigmar Polke; neben dem deutschen Expressionismus bilden Werke von Künstlern seiner eigenen Generation einen weiteren wichtigen Schwerpunkt, etwa von Georg Baselitz und Arnulf Rainer. Als Burda 2004 in Baden-Baden ein Museum stiftete, umfasste seine Sammlung schon mehr als 500 Werke.

Der Kunstsammler RUDOLF SCHARPFF starb mit fast 90 Jahren. Gemeinsam mit seiner Frau Ute trug er durch zahlreiche Schenkungen wesentlich dazu bei, dass das Bundesland Baden-Württemberg heute als eines der reichsten Kunstländer Deutschlands gilt. U. a. unterstützte er das Kunstmuseum Stuttgart, die Staatsgalerie Stuttgart, die Kunsthalle Mannheim sowie außerhalb Baden-Württembergs die Kunsthalle Hamburg und das Kunstmuseum Bonn.

 

PREISE

TIMM ULRICHS erhält den mit 12.000 Euro dotierten KÄTHE-KOLLWITZ-PREIS 2020. Im Jahre seines 80. Geburtstags wird der in Berlin geborene Künstler für sein Lebenswerk gewürdigt. 1959 gründete Ulrichs die „Werbezentrale für Totalkunst, Banalismus und Extemporismus“ in Hannover, die zur Verbreitung, Entwicklung und Produktion von Totalkunst dienen sollte und erklärte sich 1961 selbst zum „ersten lebenden Kunstwerk“. Es folgten 1966 eine öffentliche „Selbstausstellung“ in Frankfurt am Main, 1969 die Gründung einer „Kunstpraxis (Sprechstunden nach Vereinbarung)“ und 1970 die erste Total-kunst-Retrospektive in Krefeld. 1977 war er mit seiner radikalen Position Teilnehmer der Documenta 6 in Kassel. Sein Œuvre umfasst konzeptuelles Arbeiten, Objektkunst, Environments, Performances, Aktionen, Multimediales und konkrete Poesie.

VALIE EXPORT nimmt am 27. September 2019 den mit 150.000 Franken dotierten ROSWITHA-HAFTMANN-PREIS entgegen. Der Preis wird an künstlerische Persönlichkeiten vergeben, „deren Werk von überragender Bedeutung ist.“ Die Filmemacherin, Medien- und Performancekünstlerin Valie Export, „die seit 1967 ihren Künstlernamen als künstlerisches Konzept und Logo führt, wird für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Sie gehört nach Ansicht des Stiftungsrats zu den wichtigsten internationalen Pionierinnen dieser Kunstgattungen. Ihre Körper-Aktion ,Tapp und Tastkino‘, bei der Passanten ihre in einem Pappgehäuse entblößten Brüste berührten, löste einen filmisch und fotografisch dokumentierten Skandal aus, der, gemäß der Jury, zum Gründungsmythos des sogenannten Aktionismus gehört und bis heute nachwirkt.“

EBERHARD HAVEKOST starb überraschend im Alter von 52 Jahren. Der gelernte Steinmetz studierte in den 1990er Jahren an der Dresdner Kunstakademie und schloss das Studium als Meisterschüler von Ralf Kerbach ab. 2010 nahm er einen Ruf als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie an. Auf dem Kunstmarkt wurde er von der Galerie Gebr. Lehmann vertreten. Stilistisch entwickelte er aus dem Fotorealismus der 1970er Jahre einen veristischen Malstil, brach dabei aber bewusst mit den Sehgewohnheiten des Betrachters.

SARAH SCHUMANN starb im Alter von 85 Jahren. Die Malerin, Kuratorin und Essayistin zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der Nachkriegsmoderne. Mit ihren „Schock-Collagen“ aus Illustriertenfotos konterkarierte sie die Heile Welt-Ästhtetik der Wirtschaftswunderjahre. 1968 schloss sie sich in Berlin der Gruppe „Brot und Rosen“ an, wirkte in den 1970er Jahren in Filmen der Regisseurin Helke Sander mit und war 1977 Mitinitiatorin der Frankfurter Ausstellung „Künstlerinnen international 1877 – 1977“ – bedeutende Künstlerinnen des 20. Jh im Kunstbetrieb exponiert vorzustellen war damals ein absolutes Novum. Gemälde und Collagen der verstorbenen Künstlerin sind ab dem 11. August 2019 im Künstlerhaus Göttingen zu sehen.

FRIEDER BURDA, Sammler und Museumsgründer, starb im Alter von 83 Jahren. Er wurde im Verlagskonzern seines Vaters kaufmännisch ausgebildet, war im Verlags- und Druckereiwesen tätig und begann schon 1968 mit dem Aufbau einer Kunstsammlung – sein erstes Bild kaufte er damals für 3.500 DM, eine Arbeit von Lucio Fontana. In den 1980er Jahren konzentrierte er seine Sammlungstätigkeit vor allem auf Gerhard Richter und Sigmar Polke; neben dem deutschen Expressionismus bilden Werke von Künstlern seiner eigenen Generation einen weiteren wichtigen Schwerpunkt, etwa von Georg Baselitz und Arnulf Rainer. Als Burda 2004 in Baden-Baden ein Museum stiftete, umfasste seine Sammlung schon mehr als 500 Werke.

JENNY HOLZER nahm die Jesse L. Rosenberger-Medaille 2019 für herausragende Leistungen in den Bereichen Creative Arts und Performing Arts entgegen. Die Medaille wurde 1917 vom Ehepaar Rosenberger zur Würdigung „ungewöhnlicher Leistungen“ im Dienste der Öffentlichkeit und zum Wohle der Menschheit gestiftet und wird heute von der University of Chicago verliehen. Wer damit ausgezeichnet wird, ist eingeladen, im darauffolgenden akademischen Jahr eine Vorlesung zu halten. Holzer setzt sich seit den 1980er Jahren mit Themen wie Aids, Politik, Gewalt, Sex, Umwelt, Feminismus und Machtstrukturen auseinander.

Der Kunstsammler RUDOLF SCHARPFF starb mit fast 90 Jahren. Gemeinsam mit seiner Frau Ute trug er durch zahlreiche Schenkungen wesentlich dazu bei, dass das Bundesland Baden-Württemberg heute als eines der reichsten Kunstländer Deutschlands gilt. U. a. unterstützte er das Kunstmuseum Stuttgart, die Staatsgalerie Stuttgart, die Kunsthalle Mannheim sowie außerhalb Baden-Württembergs die Kunsthalle Hamburg und das Kunstmuseum Bonn.

HIWA K gewann den H.W. & J. HECTOR-KUNSTPREIS der Kunsthalle Mannheim. Der Preis wird seit 1997 alle drei Jahre von der Kunsthalle Mannheim und der H.W. & J.Hector-Stiftung ausgeschrieben. Er zeichnet künstlerisches Schaffen im dreidimensionalen Bereich (Skulptur, Objektkunst, räumliche und multimediale Installationen) aus. Hiwa K ist aus Kurdistan gebürtig, lebt in Berlin u d nah als Bildhauer an der Biennale von Venedig 2015 und an der Documenta Kasel / Athen 2017 teil. „Als Grundlage seiner Werke dienen persönliche Biografien, Geschichten oder alltägliche Situationen, mit denen der Künstler grundlegende institutionelle Kritik übt.“

ANDREAS GREINER wird mit dem diesjährigen GOSLARER KAISERRING-STIPENDIUM bedacht, das vom Verein zur Förderung Moderner Kunst vergeben wird. Der Stipendiat bekommt eine Einzelausstellung im Mönchehaus Museum in Goslar mit Katalog, verbunden mit dem Ankauf eines Werkes. Greiner ist Meisterschüler bei Olafur Eliasson an der Universität der Künste in Berlin und dort auch Absolvent des Instituts für Raumexperimente. In seinen Arbeiten befasst sich Andreas Greiner mit Phänomenen der Natur- und Geisteswissenschaften, mit Medizin, Anatomie und Musik.

 

AUSSCHREIBUNGEN

Der KUNSTPREIS JUNGER WESTEN 2019 wird für Malerei ausgeschrieben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Zum Wettbewerb zugelassen sind alle Künstlerinnen und Künstler deutscher Staatsangehörigkeit und solche, die ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland haben, ab Jahrgang 1984 einschließlich. Anmeldeschluss: 31.08.2019: www.kunsthallerecklinghausen.com

Der ROSTOCKER KUNSTPREIS ist auf Bewerbungen aus Mecklenburg-Vorpommern und medial auf künstlerische Fotografie begrenzt. Ausgelobt ist ein Preis in Höhe von 10.000 Euro, außerdem sind Ankäufe von Werken aus dem Kreis der nominierten Kandidaten für die Kunsthalle Rostock vorgesehen. Bewerbungsschluss: 31.08.2019. kunsthalle@rostock.de

Das GOLDRAUSCH KÜNSTLERINNEN-PROJEKT des Berliner Frauennetzwerks Goldrausch e.V. will der strukturellen Benachteiligung von Bildenden Künstlerinnen entgegen wirken und nimmt jährlich 15 Berliner Künstlerinnen in das Professionalisierungsprogramm auf. Der Kurs verbindet handlungsorientierte Angebote mit vielfältigen Einblicken in die Kunstwelt und einem kontinuierlichen Training von Präsentations- und Vermittlungstechniken. Anmeldeschluss: 15.09.2019. www.igbk.de

Das IKOB – MUSEUM FÜR ZEITGENÖS-SISCHE KUNST IN EUPEN (deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien) schreibt den IKOB – Kunstpreis ausdrücklich als Preis für feministische Kunst aus. Teilnahmeberechtigt sind Kunstschaffende aus Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Deutschland. Einreichungen bis zum 1. September 2019. www.ikob.be

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