Magazin , 2000

Pierre Bourdieu:
Die Regeln der Kunst

Genese und Struktur des literarischen Feldes

Aus der Perspektive der Kunst scheint die Disziplin der Soziologie wenig attraktiv zu sein. Man verdächtigt sie der Gleichmacherei und der Fixiertheit auf abstrakte Daten und Mechanismen, und hält sie für unfähig, die Bedeutung des Außergewöhnlichen, Konkreten und Lebendigen zu Erfassen.

Wäre das Kunstfeld nur von Ausnahmen bevölkert, dann ließen sich allerdings auch gar keine Regeln herausfiltern, die den jeweiligen Einzelfall überschritten. Die Soziologie interessiert sich dagegen in erster Linie für Zusammenhänge und Verhältnisse, die durch die große Zahl von Individuen und Ereignissen, besonders in modernen Gesellschaften, bestimmt sind.

Pierre Bourdieus früheres Unternehmen, das Ästhetische zunächst als einen Faktor des sozialen Geschehens zu untersuchen, der bei jedem Akteur und in jedem Bereich eine Rolle spielt (in: Die feinen Unterschiede) konnte jedoch schon die völlige Inkompatibilität von singulärem Ereignis und massenhafter Gleichförmigkeit relativieren, wobei statistische Verteilungen als Beleg dafür dienen, dass das Interesse an bestimmten Formen von Kunst von der sozialen Position, die jemand einnimmt, in signifikanter Weise abhängig ist. Aber auch wenn diese Studie zum Beispiel nahe legt, dass die Liebe zur abstrakten Malerei die Betroffenen als zur Schicht dominierender Intelligenz gehörig ausweist, ist damit noch nicht gesagt, inwieweit die KünstlerInnen selbst derartige Verwendungsweisen intendieren, und wie sie selbst in die gesellschaftliche Praxis symbolischer Grenzziehungen involviert sind.

Traditionelle Schemata, wie das der ökonomischen Determiniertheit ästhetischer Werte einerseits, oder das einer spontanen Kreativität, die außerhalb der sozialen Kämpfe stattfände andererseits, kann Bourdieus Modell der Logik symbolischer Strukturen hinter sich lassen. Es zielt darauf ab,…

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von Michael Hauffen

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