Ausstellungen: Düsseldorf , 1999

Martin Seidel

Puppen Körper Automaten

– Phantasmen der Moderne

Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, 24.7. – 17.10.1999

Es ist die Crux vieler Themenausstellungen, dass gehäuft und gehortet, gebogen und geschoben wird, bis zusammenwächst, was nicht zusammengehört. Eine Schau mit dem indifferenten, weitherzigen Titel „Puppen Körper Automaten – Phantasmen der Moderne“ lässt da einiges befürchten. Tatsächlich verschreckt die Ausstellung in der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW – allemal im ersten, aber auch noch im zweiten Augenblick – durch die Vielzahl der Exponate. Nimmt man sich aber Zeit, dann entlohnen gute Bilder und eine – im schweren Katalogbuch wissenschaftlich aufgearbeitete – faszinierende Problematik.

400 Werke von 91 Künstlern, Fotos und Gemälde, Collagen, Zeichnungen und Graphiken, auch einige Skulpturen, Objekte und eine Installation, zeigen, dass all die den menschlichen Körper umkreisenden hybriden Allmachts-, Reproduktions- und Sexualphantasien, die derzeit ein so überaus strapaziertes Thema von Ausstellungen sind, in der klassischen Moderne, in der Pittura Metafisica, im Konstruktivismus, bei Dada und Surrealismus, eine virulente Vorgeschichte haben.

Eine Vorstufe zu dieser Vorgeschichte bilden die Gemälde von Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Suzanne Valadon und Max Beckmann, die den gedrängten Parcours in den Sammlungsräumen im zweiten Obergeschoss der Kunstsammlung eröffnen. Ihre Puppen sind als Kinderspielzeug noch in eine symbolisch durchdrungene Bilderzählung eingebettet. Otto Dix und René Magritte deuten das Malermodell als pygmalionhaft verfügbares Geschöpf im Rahmen einer älteren Bildtradition. Bei Oskar Kokoschkas Selbstbildnis mit der Puppe (1922), die er eigens nach der nun vergeblich Geliebten Alma Mahler-Werfel hatte anfertigen lassen, wird die Puppe zum Fetisch.

Die Avantgarde der Konstruktivisten und Dadaisten, der die nächste Zukunft gehörte, verabscheute den…

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von Martin Seidel

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