Ausstellungen: Krefeld · von Susanne Boecker · S. 320
Ausstellungen: Krefeld , 2002

SUSANNE BOECKER

Roger Ballen: Outland
Andre Lützen: Generation Boul Fale

Kaiser Wilhelm Museum Krefeld, 28.10.2001 – 17.2.2002

Seit über einem Jahr tourt Roger Ballens Fotoprojekt „Outland“ nun bereits durch die Ausstellungshäuser. Jetzt sind die Fotografien aus Südafrika in Krefeld angekommen und entfalten in den Oberlichtsälen des Kaiser Wilhelm Museums ihre beunruhigende Wirkung. Als gerader Fries hängen die quadratischen Schwarz-Weiß-Abzüge an den Wänden – ein klarer Auftritt von äußerer Strenge als formaler Konterpart zu den inhaltlichen Turbulenzen der Bilder. Denn Roger Ballen mutet dem Betrachter einiges zu. Der 1950 in New York Geborene ist studierter Geologe, betätigt sich aber inzwischen seit bald 20 Jahren auch als Fotograf. Bevorzugtes Gebiet seiner fotografischen Feldforschungen sind die „Dorps“ auf dem flachen Land in Südafrika, jene Orte, an denen die nicht ganz so erfolgreichen Nachkommen der ehemaligen Buren und weißen Herrenmenschen ihr schäbiges Leben fristen. Näherte sich Ballen seinem Sujet anfangs in sozialdokumentarischer Manier à la Walker Evans, setzt er die krassen menschlichen Realitäten seit einigen Jahren zunehmend in „freie“ Inszenierungen um. In Kooperation mit seinen debilen, deformierten Akteuren sowie diverser tierischer Statisten findet Ballen zu beklemmenden Szenarien, die er selbst als „dokumentarische Fiktion“ bezeichnet.

Es sind ungesehene, eigentlich an nichts erinnernde Bilder, die sich mit aller Gewalt in unser visuelles Gedächtnis brennen. Der dickbäuchige, grinsende „Sicherheitsbeamte“, einen Hundewelpen gegen eine Treppenhauswand drückt, der massige Mann, der mit seinem Hausschwein im Arm auf dem Bett sitzt, der mit weit aufgerissenen Augen ins grelle Blitzlicht starrende Mann vor einer Wand, die deformierten Füße, zwischen denen ein Hundebaby steckt… Schauerliche Inszenierungen…

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