Titel: Grenzenlose Skulptur , 2014

Saâdane Afif

SAÂDANE AFIF: In einer Serie habe ich vorgefundene Sockel eingesetzt, aber eher als Material: etwas, das ich finde, um darüber zu sprechen, was passiert. Es diente als Belvedere, als bester Platz, um einen schönen Ausblick auf die Ausstellung zu haben. Für die Ausstellung „Lyrics“ 2005 im Palais de Tokyo habe ich Podeste als Bühne gebaut, eine Art Merzbau aus Sockeln, die ich dort im Lager fand. Am Eröffnungsabend spielten darauf vier Bands, während der Ausstellung konnten die Besucher die Bühne wie eine Lounge benutzen, um der Musik zuzuhören – aber wir kommen damit weit weg vom Thema Skulptur.

Sabine B. Vogel: Sie arbeiten mit Texten, die Andere in Ihrem Auftrag über Ihre Objekte schreiben?

Die Texte kreisen darum, die Betrachtung von Kunst zu teilen und dem eine Form zu geben – in Folge von Duchamp, der einmal sagte, der Betrachter mache die Kunst. Die Texte sind eine Form von Alchimie, ein Transformieren des Kunstwerkes in den Geist der Betrachter. Die Texte sind eine Dokumentation dessen, was in jemandem vorgeht, von diesem alchimistischen Prozess.

Sie arbeiten häufig in Kooperationen mit anderen?

Das Herstellen von Objekten ist zu einer zweiten Natur von Künstlern geworden, weil sie nichts Natürliches oder Vorhandenes zeigen wollen – das hat Duchamp ja schon thematisiert. Aber es ist nicht nur das. Die Porzellan-Objekte hätte ich ohne das Spezialwissen der Nymphenburg Manufaktur nie machen können. Oder auch der Sarg in Form des Centre Pompidou war nur möglich durch das Wissen und die Tradition der Leute in Ghana. Wenn ich mit einem…

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von Sabine B. Vogel

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