Titel: Essen und Trinken II , 2002

SCHOKOLADE

ZUCKER, TORTEN, SÜßWAREN

Eine künstlerische Beschäftigung mit Schokolade tangiert wirtschafts- und sozialgeschichtliche Facetten, Mythologisches, Fragen der Ernährungsphysiologie und natürlich den stofflichen Aspekt. Hans Haacke führte z.B. in diversen Projekten die wirtschaftlichen Verflechtungen großer Konzerne und ihrer Repräsentanten vor, und da fand auch der 1996 verstorbene Aachener Schokoladenfabrikant und Sammler Prof. Peter Ludwig sein Interesse.

Die Bielefelder Künstlergruppe „Oralapostel“ indessen inszenierte 1998 „Omas Schoko Geheimnis“ als Matscherei mit braunen Speisen, was freilich als politische Anspielung an das Nazi-Braun verstanden werden sollte. Anlass war der damals aktuelle Streit um die Benennung der örtlichen Kunsthalle.

Künstler wie Dieter Roth und Joseph Beuys lenkten in den sechziger Jahren ihr Augenmerk hingegen eher auf die Stofflichkeit und die geformte Rasterhaftigkeit von Blockschokolade. Die Düsseldorfer Sammlung Dorothee und Erik Andersch enthält z.B. zwei solcher Dieter Roth-Objekte mit gehärteter Kakaomasse: Das „Schokoladenbild“ (1968) besteht aus einem Stück mit 5 x 5 Einzelblöcken, von denen einige rechts unten abgelöst bzw. abgebrochen sind. Den „Lauf der Welt“ visualisierte Roth in einer Assemblage mit Schokoladenfiguren und ihrer Stanniolverpackung.1

An diese Fluxus-Tradition anknüpfend konzipierte Ruth Knecht Installationen mit Osterhasen und Weihnachtsmännern, die sie als „ready mades“ aus dem Süßwarenhandel unverändert in den Kunstbereich transformierte. Anne R. Kieschnick nahm die Legende der Hl. Ursula als Vorlage für ihren Werkzyklus „Die Scheinheiligen“. Mit weißer Schokolade und roter Lebensmittelfarbe schuf sie eine Reliefnachbildung des Kölner Doms mit Lippen und Herz, wobei die linke Domspitze „bereits von Mäusen angefressen“ ist, wie die Künstlerin in der Bildlegende notiert (2000).

Erst 1845 war es dem Züricher Konditormeister David Sprüngli und seinem Sohn…

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