Titel: Essen und Trinken II , 2002

SCHLACHTEN UND SCHLACHTFESTE

< BLUT < FLEISCH

Schlachtfeste feierte man früher traditionell in den letzten fünf Wochen vor Weihnachten. Im Spätherbst wurde vor dem Winter zum letzten Mal geschlachtet. Dann wartete man bis zum Frühjahr ab, bis die Muttertiere Jungtiere geworfen hatten, oder bis die Ferkel und Kälber so weit herangewachsen waren, dass man das Muttertier schlachten konnte. Bei Hirschen z.B. setzt die Brunftzeit im Frühherbst ein. Die anschließende Tragezeit der Hirschkühe dauert in einem „natürlich“ programmierten genetischen Code in Relation zum Jahreszeitenzyklus so lange, dass die Jungen dann gegen Ende der Frostperiode geboren werden und so vor dem nächsten Winter schon kräftig genug sind. Für die Jäger beginnt dann mit dem Frühjahr die Schonzeit.

Bei der Stallhaltung von Zuchtvieh ignoriert man heute diese natürlichen Zyklen: Künstliche Besamung lassen die Bauern von den Tierärzten zu einem ökonomisch genehmen Zeitpunkt vornehmen, und in den Ställen der Massentierhaltung hat man spezielle „Ferkelbuchten“ eingerichtet, die ganzjährig gleichmäßig temperiert sind.

Als die Landwirtschaft noch keinen agrarindustriellen Charakter hatte, war das Schlachtfest ein Höhepunkt im Dorfleben, an dem die gesamte Bevölkerung Anteil hatte.

Was seit Pieter Brueghel die niederländische Malerei an Schlachtfest-Darstellungen überliefert hat, vermittelt uns ein anschauliches Bild von jenem Treiben. Man lud dazu Nachbarn und Verwandte ein; auch der Dorfpfarrer bekam ein großes Stück Fleisch ab. Das Rind oder Schwein wurde mit zusammengebundenen Hinterläufen am Scheunentor oder an einem Balkengerüst aufgehangen. Das Ansetzen des Schlachtmessers am vorher betäubten Tier überließ der Bauer in der Regel dem Dorfmetzger, und wo es einen solchen nicht gab, sprang zumeist der örtliche…

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