Ausstellungen: Bonn , 2011

Uta M. Reindl

Shannon Bool

»The Inverted Harem II«

Bonner Kunstverein, 12.2. – 24.4.2011

Einen Harem hat Shannon Bool im Bonner Kunstverein eingerichtet und veranschaulicht dessen Ambivalenz, als einem Ort geheimnisvoller Weiblichkeit einerseits, einem abgeschlossenen Zentrum männlicher Machtspiele andererseits. Kein sinnliches Eintauchen in einen orientalischen Rausch dürfte daher den geneigte Besucher erwarten, vielmehr einen abstrahierenden Parcours über den west-östlichen Kulturtransfer, letztlich über die Paradoxien der Herstellung und Wahrnehmung von Kunst – stets in vielfältigen Anspielungen. Denn immerhin heißt die Ausstellung The Inverted Harem, was soviel heißt wie „den Harem auf den Kopf gestellt“.

Entsprechend gerät der Besucher- sollte er im Uhrzeigersinn durch den Saal gehen – direkt im Eingangsbereich in eine verwirrende skulpturale Anordnung aus Stäben, die wie Baustützen zwischen Boden und Decke installiert sind, in der Nähe von zwei schräg im Raum platzierten, üppig mit Stoffen verhangenen Stellwänden. Einer der vernickelten Stäbe direkt ist auf der Oberfläche wie das im Wind sich kräuselnde Wasser modelliert, sucht den Bezug zum Art déco, lässt – wie alle anderen Stäbe – an ein Fetischobjekt oder auch an den „Broken Oblisk“ von Barnett Newman denken. Dabei geht die plastische Arbeit schlicht zurück auf die zurzeit besonders in angelsächsischen Fitness- und Tanzstudios oder Privatwohnungen populären Pole-Dance-Stangen, an denen man durch allerlei kreisende Aktivitäten den Körper stählen mag. Und diese wiederum haben ihren Ursprung in den Stripper Poles von Nachtclubs, an denen dann die kreisenden Damen ihren Körper reizvoll zur Schau stellen. Wer denkt da nicht an Bauchtanzauftritte von Haremsbewohnerinnen, vielleicht aber auch an deren Schattenseite, an die Unwürdigkeit und…

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von Uta M. Reindl

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