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Titel: 59. Biennale Venedig - Länderbeiträge Arsenale · von Ellen Wagner · S. 337 - 337
Titel: 59. Biennale Venedig - Länderbeiträge Arsenale ,

Slowenien

Marko Jakše

WITHOUT A MASTER

Kommissar: Aleš Vaupotič Kurator: Robert Simonišek Ort: Arsenale

Die kreidig leuchtenden Bildwelten Marko Jakšes wirken, als habe Hieronymus Bosch gemeinsam mit Joanne K. Rowling das Set für einen neuen Teil der Sci-Fi-Saga um den Wüstenplaneten „Dune“ ausstaffiert: Entrückte Säulenhallen werden von Männern mit weißen Bärten bevölkert, von unheimlichen Wesen mit gespitzten Schnäbeln, riesigen Kaninchen, dazwischen angeschnittene Gurken und Granatäpfel, stellvertretend für Macht und körperliche Begierden. Aus den Bildern spricht eine symbolistische Faszination für rituell geheimnisvolle Handlungen, der mit Sand ausgeschüttete Pavillon taucht sich in vielsagendes Dämmern und scheint weder Nacht noch Tag zu kennen.

In dieser Malerei sind alle Figuren Seher, die mit durchdringenden, teils geschwärzten oder milchig blinden Augen nuanciert zwischen Konzentration, Erwartung oder leiser Furcht am Geschehen vorbei in die Weite oder aus dem Bild blicken. Exemplarisch hierfür steht der Blinde Patriarch (2010), der Jakšes Skepsis gegenüber Autoritäten Ausdruck verleiht, oder auch die Arbeit Convalescence (2010), die Jakše während seiner Lektüre von Thomas Manns Der Zauberberg malte. Die Frage, „wie gesund oder krank bin ich eigentlich?“ meint auch, sich in ein Verhältnis zur eigenen Natur und Vergänglichkeit, aber genauso zur Gesellschaft und deren Erwartungen zu setzen. Von Nahem betrachtet weisen die aus der Distanz so zart verrieben wirkenden Gemälde eine raue oder „wunde“ Oberfläche auf, kleine Runzeln und gröbere Pinselhiebe werden zu feinen Narben und Falten, die den Gemälden selbst eine gezeichnete Mimik verleihen. Auf seiner Webseite hat Jakše für mehrere Gemälde einzelne Bildausschnitte zu sekundenkurzen Videos montiert, was deren blitzlichtartig surrealen Charakter…

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