Gespräche mit Künstlern , 2009

William Kentridge

Südafrikanische Spuren

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

William Kentridge, 1955 als Sohn jüdischer Einwanderer in Johannesburg geboren, ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Tage, seit seiner Mitwirkung bei der Johannesburg Biennale 1995 und bei der documenta X 1997 in Kassel. Der südafrikanische Theaterregisseur und Filmemacher, der von der Zeichnung ausgeht, setzt sich in seinen Animationsfilmen mit der menschlichen Natur, der Macht der Erinnerung ebenso auseinander wie mit der Suche nach einer kulturellen Identität und einer Phänomenologie des Sehens. Themen sind dabei Kolonialismus, Faschismus und Tyrannei, die Verbrechen des Apartheid-Regimes. Erinnerungen an die Geschichte und Politik Südafrikas werden abgerufen und das breite Spektrum tiefer Emotionen vermittelt. Die Technik dieser bis acht Minuten langen Filme, die er selbst „Drawings for Projection“ nennt, ist denkbar einfach: Kohle- und Pastelkreidezeichnungen werden in ihrem Entstehungs- und Entwicklungsprozeß gefilmt. Nur mit Zeichenstift und Radiergummi arbeitend, entwickelt Kentridge die Handlung einer Szene durch wiederholtes Wegradieren und Neuzeichnen. Jeder dieser Schritte wird mit einer 35mm-Kamera festgehalten, so dass die Spuren der Eingriffe und Veränderungen sichtbar bleiben und den speziellen Reiz der zwischen kollektiver und individueller Erinnerung oszillierenden Filme ausmachen. Deren Stimmung ist zutiefst melancholisch getrübt, manchmal auch bizarr und seltsam humoresk. Als Theaterregisseur arbeitete Kentridge mit der Handsprimng Puppet Company zusammen. Da agieren in Stücken wie „Woyzeck on the Highveld“ 81992) oder „Ubu and the Truth Commission“ (1997) Schauspieler gemeinsam mit holzgeschnitzten Puppen vor der Kulisse animierter Filme. 2006 wurde der ungewöhnliche Künstler mit dem Kaiserring der Stadt Goslar ausgezeichnet. Mit ihm…

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von Heinz-Norbert Jocks

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