Monografie · von Reinhard Ermen · S. 198
Monografie , 2009

Reinhard Ermen

Marcel van Eeden

Die meisten Blätter etablieren eine Art Halbdunkel, das mit Schwarz und Weiß komponiert ist. Es können aber auch farbige Elemente wie verirrte Fremdlinge oder bewusst gesetzte Lichter auftreten. Oft genug laufen Texte mit, in der Regel (also nicht immer) am unteren Rand als Bildunterschrift, manchmal sind sie in die Abbildung eingeblendet wie für eine grafische Titelei. Diese fragmentierten Satzfetzen vervollständigen die Zeichnung, sie vermitteln den Anschein einer Erklärung, herausgerisssen aus einem größeren Zusammenhang. Es steckt mehr dahinter, man weiß nur nicht was. Filmszenen, das assoziiert sich zuerst, wie auf den Standfotos, die früher in den Schaukästen der Kinos zu sehen waren. Nur wer den ganzen Film kennt, versteht die Bilder. Doch hier bleibt der Inhalt kryptisch, weil keiner ihn kennt, allein diese (zahllosen) Einzelszenen erreichen die Neugierigen. Die Betrachter müssen auch gar nicht mehr wissen, die offenen Zusammenhänge sind ein Teil des Reizes. Konzeptionelles ceterum censeo aller Auslassungen über diese Arbeit ist folgendes: Marcel van Eeden wurde am 22. November 1965 in Den Haag geboren und alle Vorlagen, die er in seinen Zeichnungen verarbeitet, stammen aus der Zeit vor seiner Geburt. Das erklärt ein wenig die Stimmungen dieser Zeichnungen; die Protagonisten, das könnten Figuren aus der Väter- und Großvätergeneration des Marcel van Eeden sein, getaucht in das Dekor der ‚schwarzen Serie’. Aktionsfeld ist das 20. Jahrhundert, das längst begonnen hat. Auf Älteres greift er kaum zurück, die Welt des Jahrgangs 1965 ist vorbereitet, der Zeichner inszeniert ein Vorspiel seiner eigenen Existenz, und das seit 1993, als er…

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