Monografie · von Reinhard Ermen · S. 218
Monografie , 2009

Reinhard Ermen

Thomas Müller

Der Zugriff erscheint von Anfang an individuell, so dass sich der Begriff der ‚Handzeichnung’ aufdrängt; im wörtlichen, nicht im überlieferten Sinne. Farben spielen eine nicht unwesentliche Rolle. Selbst, wenn Thomas Müller das ganze Blatt mit Hilfe eines Lineals füllt, ist eine persönliche Konzeption spürbar. Das Lineal und andere Lenkhilfen seiner Lineaturen erscheinen dann wie eigenwillige Fundstücke, die ganz selbstverständlich in das persönliche Weltbild eingemeindet werden. Im assoziativen Übertrag versuchen die Betrachter gelegentlich Verbindungen zu etwas schon mal Gesehenem zu knüpfen, doch außer dem Gefühl einer natürlichen Nähe (denn diese Kunst distanziert sich nicht) gibt es hier keine reellen Ergebnisse. Es werden Spuren und Zeichen auf das Papier gesetzt, warum nicht: Fingerabdrücke; Architektonisches, Räumliches, Perspektivisches auch Geographisches wird angedeutet, Fragmentarisches scheint gelegentlich auf. Der Begriff der Skizze hilft nur kurzfristig, denn diese Blätter stehen ganz für sich und sind bei aller Offenheit selbstredend abgeschlossen. Informelle Strukturelemente spielen eine Rolle, sie finden sich in neu definierten Umgebungen wieder, behaupten ihre Anwesenheit und werden damit augenblicklich zu etwas anderem. Ganz wenige Elemente, eine diskrete Geste, Zufallsbegegnungen von Linien und Farben können ausreichen, Fülle zu evozieren. Vor das Problem gestellt, einen Eindruck zu formulieren, hat Eugen Blume (mit allen Vorbehalten) schon Mal das Wort von der „Poesie“ im Zusammenhang mit diesen Zeichnungen bemüht.

Thomas Müller ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ausschließlich ‚Zeichner’. Alles, was er macht, wird auf dieses eine Medium projiziert. Selbst die kleinen Skulpturen, die man von ihm schon gesehen hat, scheinen seinen Blättern entlaufen zu sein. Müllers Arbeiten, ihre Vielfalt…

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