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Monografie · von Reinhard Ermen · S. 222 - 225
Monografie , 2009

Reinhard Ermen
David Shrigley

Meine Zeichnungen entstehen meist intuitiv“, sagt David Shrigley im Gespräch zu Michael Krajewski: „Gelegentlich gehe ich von Notizen aus, die ich dann als Ausgangspunkt für eine Zeichnung verwende, aber größtenteils setze ich mich nur hin und zeichne. Ich wiederhole nie etwas, es sei denn ich verschütte darüber Kaffee.“ Der britische Star realisiert die Freiheit des Mediums, die sich nicht in langen Wegen, etwa dem von der Idee zur Staffelei, also den verhältnismäßig langwierigen Prozessen mit den schwergängigen Materialien aus den Tuben verbrauchen. Eben gedacht und schon gemacht! Die kurz gefasste Direktheit findet Ihre Motive überall, und was nichts taugt, verrissen oder mit Kaffee übergossen wurde, fliegt in den Papierkorb. Einem Stilzwang, nicht einmal dem eigenen, mag er sich nicht unterwerfen. Der Mann aus Glasgow erfindet Emblemata einer unaufgeräumten Gesellschaft mit entsprechend verbogenen Figuranten, die mal eben für einen Geistesblitz gebraucht werden und in allen Gliedern, sofern sie vollständig über dergleichen verfügen, die Spuren des schnellen Notats austragen. Ein englischer Sarkasmus, macht sie auf dem Kontinent partiell zu (anziehenden) Exoten. Kurze Texte helfen dem Sinn oder Unsinn auf die Sprünge, doch sind das in den selteneren Fällen Sprechblasen; als Comics mag man sie ohnehin nicht klassifizieren, dafür blendet er viel zu bewusst die Kontrollen der Professionalität aus. Manchmal zeichnet er auch gar nicht, er schreibt, zuweilen optisch interpunktiert durch heftige Korrekturen. Beiseite gesprochen: Auch Schrift ist Zeichnung! Das können dann wahrhaft existentialistische, ja weltbewegende Dialoge sein, wenn sich etwa der Stift gegen die Angriffe des Radiergummis (ERASER) wehrt,…


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