Ausstellungen: Hamburg · von Rainer Unruh · S. 294
Ausstellungen: Hamburg , 2008

Rainer Unruh

Thomas Demand

»Camera«

Hamburger Kunsthalle, 4.4. – 6.7.2008

In „Nichts als Gespenster“, einer Erzählung von Judith Hermann, trifft ein deutsches Paar in der amerikanischen Provinz eine Geisterjägerin. Die verschrobene Amerikanerin will mit einer Kamera die Seelen der Toten ablichten, die durch ein aufgegebenes Hotel spuken sollen. Die Frau bildet sich ein, auf ihren Bildern das zu sehen, von dessen Existenz sie vorab überzeugt ist.

Um die Macht der Einbildung, um das Verhältnis von Bild und Wirklichkeit, vor allem aber um die Zirkulation von Bildern in den Medien geht es auch in den Arbeiten von Thomas Demand. Das erste Foto der Ausstellung „Camera“ zeigt die Fassade eines Gebäudes. Auffällig allein die große Flagge, die einen Balkon schmückt. Das Haus in der Via Antonio Baiamonti 10 ist der Sitz der Botschaft des Niger in Rom. Sie spielte eine zentrale Rolle in dem Gespinst aus Lügen, mit denen George W. Bush den Angriffskrieg gegen den Irak rechtfertigte. Aus der Botschaft stammten angeblich die Dokumente, auf die sich Bush in seiner Rede am 28. Januar 2003 stützte, als er behauptete, Saddam Hussein habe versucht, größere Mengen Uran in Afrika zu kaufen. Tatsächlich handelte es sich bei den Papieren um plumpe Fälschungen. Sie wurden mit Stempeln und Briefköpfen erstellt, die ein Mitarbeiter der Botschaft gestohlen hatte, und gelangten auf dunklen Kanälen an die CIA. Ein fingierter Einbruch sollte davon ablenken, dass es sich um ein abgekartetes Spiel handelte.

Die neun Fotos aus der Folge „Embassy“ (2007) sind so gehängt, dass man den Eindruck hat, man würde selbst in die…

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