Titel: Berlin Biennale · von Susanne Boecker · S. 198
Titel: Berlin Biennale , 2008

Nationalgalerie

Beflaggung. So schön bunt war die Neue Nationalgalerie wohl noch nie. Mit den farbigen Fahnen, die Daniel Knorr rund um das Dachsims gehängt hat, wirkt das tempelartige Gebäude regelrecht fröhlich und beschwingt. Die bunten Streifen erinnern an die Farbcodes nationaler Flaggen – eine Assoziation, die vom Künstler durchaus beabsichtigt ist, aber (natürlich) unterlaufen wird. Denn bei den Farbkombinationen handelt es sich nicht um nationale Codes, sondern um die der 58 in Berlin ansässigen Studentenverbindungen. Gefeiert wird hier also nicht etwa ein fröhliches, konfliktfreies Zusammensein der Kunst aller Nationen. Vielmehr handelt es sich um eine Auseinandersetzung „mit dem Nationalbegriff, seiner Entstehung, Kodifizierung und seinem fortwährenden Einfluss auf die heutige Gesellschaft“, wie der Kurzführer erklärt. Warum der Künstler dafür auf die Codes der Studentenverbindungen zurückgriff, anstatt einfach (vielleicht sogar mit Hilfe des Computers) Fantasiefahnen zu kreieren, bleibt sein Geheimnis.

Faust. Piotr Uklanski hat seine Skulptur mit selbstsicherer Geste zentral vor dem Haupteingang der Neuen Nationalgalerie platziert. Trotzig reckt sich die aus hellgrau lackiertem Stahlrohr gefertigte Faust in die Höhe, so als wolle sie ihrem in unmittelbarer Nähe stehenden „Konkurrenten“ – Barnett Newmans „Broken Obelisk“ – den Kampf ansagen. Wobei dieser Kraftakt wohl zugunsten des Klassikers entschieden würde, schon allein aufgrund dessen Tonnen schwerer materieller Präsenz. Mit seiner nur in Umrissen geformten, signethaften Faust hat Uklanski ein ironisches Ausrufezeichen vor Mies van der Rohes modernen Kunsttempel gesetzt. Und damit ein Fünkchen Humor in diese ansonsten so ernsthafte Biennale gebracht.

Bus Stop. Mit seinen zwei Bushaltestellen (am Skulpturenpark und vor der Neuen Nationalgalerie) hat Pedro Barateiro

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