Ausstellungen: Berlin , 2007

Ronald Berg

Thomas Rentmeister

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Haus am Waldsee – Ort internationaler Gegenwartskunst, Berlin, 2.3. – 29.4.2007

Thomas Rentmeister gehört zu den wenigen Künstlern, deren Arbeiten auch olfaktorisch wirken. Bisher roch es bei Rentmeister beispielsweise nach Nutella. Gleich Zentnerweise verteilte Rentmeister den zäh-braunen Brotaufstrich in amorphen Formen am Boden seiner Ausstellungsorte. Doch die braune Phase bei Rentmeister scheint vorbei. Bei den 15 neuen Arbeiten für seine Ausstellung im Berliner Haus am Waldsee dominiert die Farbe Weiß. Rentmeisters sauber aufgeschichteter Wäschestapel scheint das Gegenstück zum Nutella-Exzeß: ein Wunschbild von Ordnung und Sauberkeit. Der meterhohe Wäschestapel verströmt zudem den Geruch von frischgewaschener Wäsche. Sieht man genauer hin, sind die blütenweißen und exakt gefalteten Tischtücher durchsetzt von Fremdkörpern, die nur wegen ihrer weißen Farbe nicht gleich auffallen: Neben der Wäsche nennt die Ausstellungsliste „Watte, Waschpulver, Megapearls, Styropor, Papiertaschentücher, Wattestäbchen, Tampons, Würfelzucker, Zucker, Mehl, Zigarettenblättchen, Tic Tacs“. Alles zusammen ergibt einen exakten Quader.

Rentmeister räumt als Inspiration für seine Arbeit freimütig ein: „meine Jugend“. Rentmeister, Jahrgang 1964, wurde auf einem Dorf in Westfalen groß. Der Gegensatz zwischen dem Schmutz auf dem Land draußen und dem Inneren des auf Sauberkeit bedachten Elternhauses prägen viele von seinen Arbeiten. Dass Reinlichkeit sich auf Peinlichkeit reimt, führt Rentmeister in einer Konstruktion vor, die ausnahmsweise einen Titel trägt. „Atomium“ heißt die im wesentlichen aus Wattestäbchen zusammengesetzte Arbeit. Die Form sieht dem 1958 zur Weltausstellung errichteten Brüsseler Wahrzeichen tatsächlich etwas ähnlich. Aber auch hier liegt der inspirierende Anstoß zur Verfertigung der Plastik im Biographischen, so der Hinweis vom Künstler selbst: Rentmeisters Freundin kommt nämlich aus Belgien….

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