Magazin · von Jochen Becker · S. 498
Magazin , 2000

»Unsere Arbeit kommt aus dem Computer, nicht aus einem Land«

Tilman Baumgärtel ,[net.art] – Materialien zur Netzkunst‘

Tilman Baumgärtel, hauptberuflich als Journalist für Print- und Online-Publikationen tätigt, agiert in seinem aktuellen Buch als Pionier in Sachen Netzkunst. Dies bemisst sich allerdings nicht in Dekaden, sondern allenfalls in Jahren. Hierbei positioniert sich das Buch selbst als ein „erstes Mal … künstlerische Ent.wicklungen zu dokumentieren, die … durch das Netz ausgelöst wurden und die zu dem Ent.stehen einer internetspezifischen Kunst geführt haben“. Der Hype der „formativen Periode von 1994 bis 1998“ sei vorbei, die Zeit für eine Feldstudie auf der Basis von Interviews mit den MacherInnen gekommen. Das Vorwort seiner Sammlung von 19 Gesprächen der letz.ten vier Jahren ist geradezu ein Eiertanz der Selbstreflexion über sein eigenes Tun, da doch eher Flüch.tiges und Immaterielles gebannt werden soll. Wie sich an einer zur Zeit auf der Mailingliste ,nettime‘ geführte Debatte zeigt, ist schon seine Auflistung einer Geschichte der Netzkunst heftig umstritten. Im Buch wird der Autor deshalb auch nicht müde zu beto.nen, dass es sich hierbei um eine „Momentaufnahme“ handle, auch „keine endgültige Monographie“ angestrebt sei und eine „zu frühe Kanonisierung“ nur schade. Doch selbst eine „mosaikartige Übersicht“ als „oral history“ an Stelle der „großen Erzählung“ sortiert und prägt die Netz-Kunstgeschichte, zudem der Autor mehrfach schon eine museale Konservierung historischer Netz-Werke einforderte und dabei den Anspruch formuliert, künftig angehört zu werden. Bis dahin baut er sich ein „imaginäres Museum“ im Verlag für moderne Kunst. Vuk Cosic zumindest hat schon einmal die dX-Seiten vor deren Komplett-Löschung…

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