Gespräche mit Künstlern · S. 244
Gespräche mit Künstlern , 2012

Julius Popp

Untersuchungen zwischen Kunst und Wissenschaft

Ein Gespräch von Susanne Boecker

Julius Popp ist gelernter Fotograf. Er versteht sich auf das Abbilden des Sichtbaren. Auf das Fixieren des visuell Erfassbaren. Auf den schönen Schein der Oberflächen. Das war so lange gut, bis er angefangen hat nachzufragen nach den Strukturen, Mechanismen und Kreisläufen, in die er mit seinen Fotografien verwickelt war. Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, entschied sich Popp für den Weg der Kunst. Er bewarb sich an der HGB Leipzig, wurde angenommen, und reichte nach sieben Jahren seine Diplomarbeit ein. „macro.spheres“ ist nichts Geringeres als ein neues Weltmodell. Nach Scheibe und Globus hat dieses die Form dreier konkaver, in einander übergehender Halbkugeln. Ein Versuch, die Welt abzubilden, wie sie sich im Informationszeitalter darstellt: Nicht mehr begrenzt durch eine Horizontlinie, nicht mehr als Kugel, bei der die gekrümmte Vorderseite immer alle möglichen Punkte der Rückseite verdeckt, sondern als eine Sphäre, in der durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten von jedem Punkt aus jeder andere Punkt erreicht werden kann (und somit sichtbar ist).

In seiner Kunst fragt Julius Popp nach dem Entstehen von Bewusstsein und Umwelt. Nach der Darstellbarkeit von Gedankengängen. Nach Wahrnehmbarkeit von Informationen. Nach Wertewandel und kultureller Veränderung. Er versucht, die Komplexität der modernen, von technisch gesteuerten Informationsflüssen bestimmten Welt zu verstehen und zu begreifen, sucht nach den zugrundeliegenden Strukturen und ihren Einflüssen auf das Individuum. Ausgehend von diesen zentralen Fragestellungen hat er über die Jahre ein kohärentes System von drei Werkgruppen entwickelt, das er immer weiter ausdifferenziert. Die „macro.series“ befassen sich…

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