Gespräche mit Künstlern · von Stephan Maier · S. 198
Gespräche mit Künstlern , 2012

Wenn die Realität die Utopie einholt

Anlässlich ihrer Beteiligung an der Biennale Havanna sprach das Künstlerinnen-Duo Haubitz+Zoche mit Stephan Maier

Die metaphorisch aufgeladene Kraft des Wassers trübt sich zusehends ein; auf seinem Weg in den Ganges verschlechtert sich die Wasserqualität des indischen Flusses Yamuna offensichtlich, „alltägliches“ Treibgut bringt die zuvor lebensstiftende Energie zu einem illusionslosen Stillstand. Wie in „The Yamuna Blues“ driftet das Münchner Künstlerinnen-Duo Haubitz+Zoche in seinen Filmen, Fotografien und kongenialen Installationen zwischen den Ansprüchen eines idealistischen Gedankenguts und den Utopie-abgewandten Gegebenheiten unserer Lebensrealität. Eigentlich nur logisch, dass das brisante Thema des Klimawandels immer wieder sanft durchsickert. Anlässlich ihrer Teilnahme an der Biennale Havanna 2012 unterhielten sich Haubitz+Zoche mit Stephan Maier.

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Stephan Maier: Könnt ihr etwas zum Setting von „The Yamuna Blues“ sagen: Ist die Art der „Vorführung“ des Films auch inhaltlich bedingt?

SABINE HAUBITZ: „Yamuna Blues“ ist ein subjektives Portrait der Yamuna, die durch Delhi fließt. Wir haben den Fluss von seiner Quelle im Himalaya bis zu seiner Mündung in den Ganges bereist und an mehreren Stellen visuelle Wasserproben genommen. Diese Aufnahmen in Überwasser- und Unterwasserperspektive werden von einem Bambusturm projiziert, den wir in der traditionellen indischen Technik des Bambusgerüstes gebaut haben. Die Arbeit kreist um die Frage: Wie verändert sich der Fluss, wenn so viele Menschen an und von ihm leben?

STEFANIE ZOCHE: Die Präsentation als Videoskulptur trägt viel zu der Lesart der Arbeit bei. Der hybride Turm, der in seiner Form an einen Leuchtturm oder Wachturm erinnert, projiziert die Videobilder kreisrund auf den Boden. So entsteht eine Art Wasserstelle, um…

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