Magazin · von Amine Haase · S. 505
Magazin , 1999

Verborgene Finsternis

Sven Lindquist über Afrika und Joseph Conrad

Die Ausstellung „Afrikanische Kunst aus dem Museum Tervuren“, zuletzt in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zu sehen, war Anlass, Sven Linquists „Durch das Herz der Finsternis“ zu lesen und noch einmal in Joseph Conrads „Heart of Darkness“ zu blättern. Für die Ausstellung waren rund 125 „Meisterwerke“ angesagt worden, als welche die Objekte von den gastgebenden Kunsthistorikern bezeichnet werden, da für sie immer noch die ästhetische Ebene im Vordergrund steht. Das Museum Tervuren, entstanden während der Regentschaft von Leopold II. von Belgien (1865-1909) und seiner kolonialistischen Aktivitäten in Afrika, ist Garant für Authentizität und Qualität der Objekte. Qualität heißt dabei nicht unbedingt ästhetische Perfektion, sondern oft eher wissenschaftliche Bedeutung, auf die in Tervuren besonderer Wert gelegt wird. Das klingt im Katalog-Buch (Prestel Verlag) so: „Das Museum Tervuren wurde 1897/98 von König Leopold II. gegründet, der damit zu einer besseren Kenntnis der neuen Kolonie beitragen wollte, die zu jener Zeit Kongo hieß. Damals lag der Schwerpunkt des Interesses auf den wirtschaftlichen Perspektiven Belgiens in Afrika. Um die geplante Ausstellung mit Material zu bestücken, gab der König die Order, Belegstücke und ethnographische Objekte, die damals noch als Kuriosa galten, für die öffentliche Präsentation zusammenzustellen. Da diese Gegenstände auf großes Interesse stießen, beschloss Leopold II., das Museum in ein wissenschaftliches Institut umzuwandeln, dessen Aufgabe das Studium Zentralafrikas in seiner ganzen Vielfalt sein sollte.“ Kein Wort über die „Methode“, mit der die Kolonialherren in Afrika vorgingen.

Urs Widmer nimmt keine Rücksichten. In seinem Nachwort zur deutschen Taschenbuch-Ausgabe (bei Piper)…

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