Titel: Existenz am Limit , 2009

Christine Würmell

Vom Dissonieren der Zeichen

Ein Gespräch mit Raimar Stange

Die Berliner Künstlerin Christine Würmell reflektiert in ihren konzeptionell-klugen und gleichzeitig visuell überraschenden Arbeiten nicht nur semantische Parallelitäten unterschiedlicher Bild- und Lebenswelten, sondern konkretisiert dabei auch die politische Brisanz dieser Kontexte. Gerade der Klimawandel und seine gesellschaftlichen Implikationen rücken dabei in letzter Zeit immer wieder in ihren Fokus. Maren Lübbke-Tidow beschreibt Würmells Strategie überaus treffend: „Durch das komplexe Zusammenfügen unterschiedlicher Referenzsysteme aus Kunst und (mediatisiertem) Alltag bildet sich eine Folie, vor deren Hintergrund sich der Raum für neue Narrationen des Politischen bzw. einer Re-Politisierung ästhetischer Diskurse eröffnet.“ In diesem „komplexen Zusammenfügen“ steht nicht zuletzt unsere Kapazität mit der Redundanz und Überfülle, der Unschärfe und (ideologischen) Fehlerhaftigkeit postmoderner Kommunikation umzugehen auf dem Prüfstand.

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Raimar Stange: Seit wann arbeitest Du zum Thema Klimawandel?

Christine Würmell: Wenn man das Waldsterben in den 1980ern und das El Niño-Phänomen außer Acht lässt, registriere ich Wetterveränderungen bewusst seit dem Sommer 2002: Da gab es einen ungewöhnlich heftigen Wirbelsturm in Berlin. Zu der Zeit habe ich in Los Angeles gelebt und bin immer nur für ein paar Wochen in Deutschland gewesen. Dann kam der „Jahrhundertsommer“ 2003 und immer wieder auch massive Gewitter und Stürme zu ungewohnten Jahreszeiten. Spätestens seit Anfang 2004 sammle ich Material zum Klimawandel. Neben Terror-Meldungen rückte jetzt der Klimawandel in all seinen Facetten von trivial-polemischer über wissenschaftlich-informativer, bis mobilisierender Berichterstattung und ambivalenter Werbung in den medialen Vordergrund. Die Umweltthematik eingebettet u. a. in kunstgeschichtliche Referenzen und machtpolitische Interessen taucht zuerst 2005 und 2007 in den Collagen „o….

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von Raimar Stange

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