Gespräche mit Künstlern · von Dieter Buchhart · S. 248
Gespräche mit Künstlern , 2009

Mark Dion

Wissenschafter haben kein Monopol an der Vorstellung von Natur

Ein Gespräch von Dieter Buchhart

Mit seiner konsequenten Auseinandersetzung mit der visuellen Repräsentation von Natur, der Geschichte der Naturwissenschaften und der Archäologie zählt der amerikanische Künstler Mark Dion zu den wichtigsten der Gegenwart. Wie kein anderer zeitgenössischer Künstler hält er mit seinen scharfsinnigen Analysen des oft grausamen Umgangs des Menschen mit der Natur, seiner Umwelt und seinen Ressourcen unserer am Abgrund stehenden Überflussgesellschaft einen Spiegel vor. Er hinterfragt und ironisiert den kulturellen Umgang mit dem, was wir unter Natur verstehen und versucht diesen auch konstruktiv zu erneuern. In seinem neuesten Ausstellungsprojekt „Concerning Hunting“ beschäftigt sich Dion mit dem Blick des Jägers auf die Natur und dessen paradoxen Umgang mit dieser.

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Dieter Buchhart: Spektakuläre Dioramen und interaktive Ausstellungsstücke drängen Ausstellungen, die auf taxonomischen Systemen beruhen, dazu, Bilder über die Umwelt und Evolution zu präsentieren, welche die destruktiven Aktionen der Menschen in Dokumente der Natur, die nicht länger existiert, umwandeln. Über die Konzepte der Natur selbst wird nicht diskutiert; stattdessen wird Natur als unveränderlich präsentiert, als ob sie selbst ein wissenschaftliches Exemplar wäre. Was ist deine Meinung über diese spektakulären Habitat-Dioramen?

Mark Dion: Zuallererst möchte ich klar stellen, dass Institutionen wie naturhistorische Museen für mich außerordentlich wichtig sind, da sie die „offizielle Geschichte“ wiedergeben, welchen Stellenwert die Natur zu einer speziellen Zeit für eine bestimmte Gruppe von Menschen hatte. Sie sind die Kathedralen der säkularen Welt. Wo immer ich hinreise, besuche ich sie, vergleiche und stelle die Ausstellungsstücke, systematische und architektonische Details einander gegenüber. Da…

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