Ausstellungen: Köln , 2007

Jürgen Raap

Wilhelm Mundt

»Flaschendrehen«

Galerie Luis Campaña, Köln, 27.1 – 31.3. 2007

Als der Bildhauer Wilhelm Mundt Ende der achtziger Jahre sein Atelier wechseln musste, stand er vor dem Problem, wie er die Abfälle seiner künstlerischen Produktion entsorgen sollte: Bruchstücke von Gussformen, Papprohre, leere Klebebandrollen, alte Dosen, Schaumstoffplacken, Farbeimer, verklebtes Werkzeug und Teile von einem alten Fahrrad. Der Künstler kam auf eine geniale Idee. Er ersparte sich den Weg zur Mülldeponie und packte all das Zeug kurzerhand in das Innere von Skulpturen, die wie ein großer beuliger Stein aussehen.

So entstanden 1989 seine ersten „Trashstones“ mit Atelierrückständen und einer mehrschichtigen Ummantelung aus GFK, einem glasfaserverstärkten Kunststoff. Mundt nummerierte den ersten Stein mit „001“, und bis heute hat er mehr als 350 solcher Müllplastiken geschaffen. Eine Auswahl dieser Skulpturen seit 1989 zeigte die Galerie Luis Campaña soeben in einer kleinen Retrospektive. Um jedoch von vorneherein Missverständnisse zu vermeiden, sei an dieser Stelle betont, dass Mundts künstlerisches Konzept keine öko-politischen Recycling-Ideen bedienen will.

Die Skulpturen verteilen sich wie bunte Felsbrocken im Raum, manche haben höckerartige Auswölbungen und abgerundete Kanten. Ihre Oberfläche kontrastiert in schwarz-grün auf weißem Grund, in Rosarot auf Beige, Grellgrün auf lackig schimmerndem Dunkelblau. Manche glänzen auch silbern. Alle diese Müllsteine sind in der chronologischen Reihenfolge ihrer Entstehung nummeriert. Anfangs setzte Wilhelm Mundt die Ziffern nachträglich mit Silikon auf wie die erhabenen Lettern eines Stempels. Später begann er dann, die Zahlen direkt in die Umhüllung einzuarbeiten, die am Ende des Arbeitsprozesses immerhin 1 cm dick ist: Ein Reflex auf die industrielle Fertigung von Serienmodellen.

Dieser Prozess…

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