Ausstellungen: Stuttgart · S. 352
Ausstellungen: Stuttgart , 1990

Johannes Meinhardt

Wolfgang Laib

Württembergischer Kunstverein, 18.10. – 26.11.1989

Eine erste Wirkung der Arbeiten Wolfgang Laibs ist, dass sie den Raum zu leeren vermögen, in ihm eine Weite öffnen, die nicht mehr nur das Volumen des Rauminhalts ist. Der grosse, quadratische Oberlichtsaal des Kunstvereins, mit hellgrauen Preßspanplatten ausgelegt, zeigt sich nicht als architektonischer Raum oder als leeres Volumen, sondern als offene Weite einer Topologie, die Grenzen nur in sich selbst findet, im Spiel der Wege, Haltepunkte und Bezugsorte. Die drei Arbeiten, die in diesem Raum aufgebaut sind, strukturieren den freigeräumten Raum durch räumliche und zeitliche Verläufe, durch Wege und Verweilpunkte, durch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Bewegungs- und Kontemplationsrhythmen. Die übliche Neutralität des Raumes gegen seinen Inhalt, der in ihm, einem Behälter, aufgestellt oder aufgehängt wird, wird durch ein qualitatives Verschmelzen von Flächenraum und Kunstwerken verdrängt.

Ein erster Grund dafür liegt in der Einrichtung der `Szene‘: Der Weg, der durch einen lange Gang zum Eingang des Saales führt, verlängert sich in eine rhythmische Abfolge von mehr als 30 Messingschalen, indischen Reisschalen, in deren Mitte Reiskegel aufgeschichtet sind – die Tagesration eines Ostasiaten. Die Monotonie der Reihe der Reiskegel wird ein einziges Mal durch einen Blütenstaubkegel durchbrochen. Die ganze restliche Fläche des Raumes bleibt bis auf ein quadratisches Blütenstaubfeld leer: Doch dieses Quadrat intensiver Farbigkeit schafft zusammen mit der rhythmischen Linie der `Reismahlzeiten‘ eine strenge Komposition in der Waagerechten, in der die Besucher nur kurzfristige Verunreinigungen sind, Fliegen auf einem Gemälde. Eine dunkle, enge Öffnung in der Mitte einer der Wände führt durch einen abgewinkelten Zugang…

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